TINA CARLYLE | THE MASK [1994]

Ist das nicht cool? Ein Heldencomic, dessen Moral mal nicht ist, dass ein Kostüm dich erst zu dem macht, was du schon immer sein wolltest, sondern der geradzu dafür plädiert, man selbst zu sein, weil eine kostümierte Version deiner Selbst niemals so heldenhaft sein kann wie du. Zumindest im Falle von Stanley Ipkiss (Jim Carrey), für den die Maske schnell vom Segen zum Fluch wird, denn auch wenn sie ihm anfangs hilft, sich in der Welt durchzusetzen, werden es schnell die Wünsche und Triebe der Maske selbst, die sich durchsetzen wollen. Eine vor allem kostümtechnisch interessante Geschichte, aber DIE MASKE wurde in dieser Hinsicht schon ausreichend gewürdigt. Unspannender dagegen die Kostüme der Nebenrolle Tina Carlyle (Cameron Diaz). Unspannender deswegen, weil die Rolle in den originalen Comics nicht vorkommt und somit nicht vor der Aufgabe stand, eine weitere Comicvision real umzusetzen. Unspannend auch deswegen, weil es das einfache Die-schöne-und-das-Biest-Klischee bedient. Oder die Femme fatale ohne das fatale.

Tina ist einfach sexy und süß zugleich, wie Cameron Diaz später auch in ihren meißten Rollen. Sie begegnet uns in der ersten Szene in einem engen roten Kleid und einem schwarzen Samtjäckchen mit Rosenstickereien. Ihre Haare sind vom Mittelscheitel an leicht toupiert und vom Regen etwas feucht, das Make-up mit dem Lipliner sitzt dagegen perfekt. Ein gutes Outfit für den Gang in eine Bank, findet offenbar auch Stanley:

Tinas zweites Outfit ist schon viel comichafter, es ist ein enges Stretchkleid mit breiten schwarz-weißen Längsstreifen, dazu eine glitzernde Handtasche und glitzernder Schmuck. Sehr Beetlejuice-mäßig:

Tinas Bühnenkostüm für das Coco Bongo ist ein Hauch von Nichts, eigentlich scheint es nur aus Glitzer und Pailetten zu bestehen:

Während bei Tinas erstem Auftritt das rote Kleid ihren erotischen Auftritt unterstreicht, betont das schwarz-weiße darauffolgende Kleid ihre mysteriöse Aura, sie scheint freundlich und sexy zugleich, man weiß nicht, wie man sie einschätzen soll. Das Glitzerkleid repräsentiert ihre Tanzrolle auf der Bühne, ihre glamouröse Person in der Öffentlichkeit. Und in der folgenden Szene wird Tina abseits jeglicher öffentlicher Absicht gezeigt, sie ist weder beruflich unterwegs, noch versucht sie, jemandem zu imponieren. Sie wirkt seriös und distanziert aber freundlich:

Das wär dann wohl ein Date-Outfit. Tina trägt eine enge schwarze Hose und ein kariertes Jäckchen mit betonter Taille. Die Haare liegen wieder toupiert am Mittelscheitel und das Make-up ist stärker als sonst:

Wieder so ein verunschuldigendes Outfit. Eine leicht bauchfreie Rüschenbluse mit langem Blumenrock. Hier erfahren wir erndgültig, dass Tina zu den „Guten“ gehört und selbst Opfer der Bösewichte geworden ist, von denen sie verfolgt und bedroht wird:

Tinas finales Kleid ist legänder. Ein schwarzes, durchsichtiges, knöchellanges Kleid mit langen Ärmeln, durchzogen von dünnen roten Längs- und Querstreifen, dazu süße Mary-Jane-Plateaupumps und ein knallroter Lippenstift (den sie zum ersten Mal trägt, sonst sind ihre Lippen ja ganz nach 90er-Jahre Manier mit Lipliner durchzogen):

Auch wenn dieses Kleid und das Schwarzweiße von zuvor irgendwie an die Kleidung für Baseballspiele erinnert, fand ich die Kombination Rot-Schwarz bei Kleidung noch nie so… akzeptabel. Gott sei Dank ist Tina Blondine, dadurch wird der Kontrast etwas runtergeholt. Aber offenbar gilt für sie dasselbe wie für die Maske, nämlich das die physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden und im Falle Tinas eben die ästhetischen. All die Elemente ihrer Kostüme scheinen heute zu Fauxpas verkommen zu sein, aber bei ihr scheinen sie wundervoll zu funktionieren und als Fan von allem, was angeblich in der Mode nicht geht, ist Tina Carlyle meine ganz persönliche Heldin.

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