I LIKE YOUR STYLE, DUDE | THE BIG LEBOWSKI [1998]

Ursprünglich hatte ich vor, THE BIG LEBOWSKI unter den Herbstfilmen vorzustellen. Wegen dem „Pendleton Cardigan“ vom Dude natürlich, dessen Strick und Muster schon nach kalten Temperaturen schreit. Aber der Style von Jeffrey Lebowski muss einfach für sich stehen, weil er kult ist und einen neuen Archetypen kreiert hat: den Alt-Hippie.

Die Kostüme von Mary Zophres für THE BIG LEBOWSKI sind größtenteils sehr subtil und zurückhaltend. Nie wirken sie unauthentisch, sondern vermitteln uns im Gegenteil ein absolut glaubwürdiges Bild eines bestimmtes Typs. Denn in BIG LEBOWSKI werden fast schon karikaristisch gewisse Archetypen illustriert, die wir vor allem aus dem Film noir kennen. Manchmal werden sie trashiger (Maude oder Bunny Lebowski), manchmal überspitzter dargestellt (Die Nihilisten). Der Kreis um den Dude selbst wirkt dagegen bodenständig, aber dennoch nicht klischeefrei. Auf Frocktalk wird der Verdacht geäußert, dass der ganze Film aus der Sicht vom Dude dargestellt sein könnte, was die Überspitzung einiger fremder Charaktere erklären würde. Ist doch irgendwie nachvollziehbar, dass ein alternder Mann sich eine Künstlerin slash Feministin so powerlesbisch vorstellt oder? Mit einem kurzen, akkuraten Bob, ungeniert und obskur gekleidet.

Aber zurück zum Dude selbst. Je öfter ich den Film anschaue, desto mer verliebe ich mich einfach in Jeff Bridges. Vor allem die Tatsache, dass der größte Teil seiner Kostüme aus seiner eigenen Kleidung besteht, inklusive der Jelly-Sandalen! Oh Mann! Und wenn mein Traummann Sam Elliott dem Dude ein Kompliment für seinen Stil macht, dann IST sein Stil auch verdammt nochmal gut!

Wenn ich davon rede, dass im Film bestimmte Typen dargestellt werden, dann werden diese kostümtechnisch nicht nur konstant vertreten, sondern von Anfang an verständlich dargestellt. Es fängt schon beim Dude an, wenn wir ihn das erste Mal sehen, im Supermarkt, sich eine Milch kaufend und mit einem Scheck bezahlend, um sich seinen White Russian mixen zu können, im Bademantel. Sein Kostüm vermittelt uns direkt, dass es sich um einen Faulpelz handelt, einen Arbeitslosen womöglich, ein Slacker, ein Loser. Und dieses Bild bleibt bis zum Ende bestehen.

Viel ändert sich nicht bei den Kostümen vom Dude. Die meiste Zeit trägt er simple T-Shirts mit V-Neck, Pyjama-Hosen oder weite Short, Sandalen und dazu immer einen Cardigan oder einen Hoodie. Die Details sind besonders belustigend, wenn sich DER DUDE seine Haare mit einer Klammer zurücksteckt. Oder (siee drittes Bild von ganz unten) wenn er sich die Nägel lackiert!?

Die Hosenkollektion ist erstaunlich. Mein Lieblingspaar ist dieses Exemplar mit Blütenmuster in Blau, Weiß, Lachs. Ein Outfit, dass ich als Frau genau so übernehmen würde.

Es ist aber genau dieser Cardigan, der den Dude-Style legendär gemacht hat. Ich weiß nicht, wie man das Exemplar auf deutsch nennt, auf englisch ist es die Pendleton-Version eines Cowichan Cardigan. Der Cardigan scheint den Dude am besten zu illustrieren: grobmaschig, ungepflegt und ungewachen. Auf ClothesOnFilm gibt es eine kurze historische Zusammenfassung des Cardigans:

„Cowichan is a style of knitting developed in the mid-nineteenth century by native Coast Salish women of the Cowichan tribe in British Columbia, Canada.“

Der Pendleton war vor allem während der 60er und 70er populär, vermutlich die beste Zeit von Lebowski. Dieser Pullover macht den Hippie-Charme von Lebowski aus, denn wir assoziieren mit dem Pullover einerseits die Erdverbundenheit der 60er Jahre (der Cardigan ist aus 100% Wolle, das Muster erinnert an die Schmückung der amerikanischen Ureinwohner) und andererseits unterstützt es seine rebellische Art, sich gegen die Konventionen zu stellen, anti-fashion zu sein und einfach das schäbigste zu tragen, was grade so rumliegt.

„Even the film itself repeatedly and painfully scorns its hero. Every moment of joy The Dude receives is tampered by rotten luck. The police recover his stolen car (good), a vagrant has used it as a toilet (bad). He drives along in his beloved Pendleton, happily smoking a joint and supping beer (good – for him anyway), he crashes his car into a tree (very bad). To many, The Dude represents the ultimate guy’s guy, the coolest of the cool; ice cold with no cares in world. But in actual fact the hard truth is that he is a bit of a loser.“ – ClothesOnFilm

Ein Kommentar

  1. Zunächst: Mal wieder eine coole Filmauswahl. Den Dude aus stylistischer Hinsicht zu betrachten, darauf muss man erstmal kommen. Auch wenn Jeff Bridges durchaus ein attraktiver Mann ist/war (und Sam Elliot wäre das vielleicht auch ohne diesen fiiiiiiesen buschigen Oberlippenbart – warum versteckt der Mann ständig sein Gesicht?): Irgendwie möchte ich gar nicht wissen, wie der Dude wohl riechen mag….;-)

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