THE INNOCENT EVA GREEN IN THE DREAMERS [2003]

2003 hatte man noch einen Premiere-Anschluss. Da lief eines Nachts ein Film, bei dem ich zufällig einschaltete und das erste was ich sah, war ein Mädchen in einem dunkelgrünen Samtkleid mit einer roten Baskenmütze auf den funklen Haaren, großen Augen und noch größeren Lippen, zwischen denen eine Zigarette brannte, während das Mädchen scheinbar an einem Tor angekettet war. Dieses Mädchen war Eva Green, die Szenerie war die Schließung der Cinémathèque française im Paris der 68er, inszeniert in Bernardo Bertoluccis Film DIE TRÄUMER. Sagte mir damals, als ich 14 Jahre alt war noch nicht so viel. Dafür verliebte ich mich sofort in die Kostüme von Eva Green! Fast zehn Jahre später kann ich mit Bertolucci, mit den Aufständen der 68er, mit Kino- und Filmgeschichte auch was anfangen und die politische und historische Thematik des Films, die Nostalgie und zahlreichen Filmzitate und vor allem die Geschichte der drei Freunde Matthew (Michael Pitt), Isabelle (Eva Green) und Theo (Louis Garrel) machen DIE TRÄUMER zu einem meiner Favoriten. Hinzu kommt die Ästhethik des Films, das Licht, das Szenenbild (diese verdammt geile Pariser Altbauwohnung) und selbstverständlich die Kostüme von Louise Stjernsward. Wenn ich also etwas unter französischem Chic verstehe, dann ist es der Look von Eva Green in DIE TRÄUMER:

Meistens trägt Isabell eine uniformartige Aufmachung mit Hemd, Rock, Strumpfhose und einem krawattenähnlichen Seidentuch. Zwei weitere Male wechselt sich dabei nur Farbe und Material des Rockes (in Cord) und das Hemd (Blumenmuster), worin ISabelle recht unscheinbar wirkt, wie eine junge Schülerin oder Studentin in ihrer Uniform. Bei ihrem ersten Auftritt im Kinosaal trägt sie eine senffarbene Wildlederjacke. No biggie. Das Outfit da oben hingegen, was ich kurz beschrieben habe, ist für mich einfach legendär. Die Kombination von grünem Samt und roter Wolle bei blassem Teint und dunklen Haaren, das ist einfach der Killer!

Dieses gemusterte Kleid mit großem Spitzkragen und Glockenärmeln trägt Isabelle in der Szene, in der sie mit ihrem Bruder und Matthew den Louvre durchrennt, ein Zitat aus BANDE À PART (DIE AUßENSEITERBANDE) von Godard:

Isabelle scheint zunehmend reifer in ihrer Kleidung, zumindest werden die Kostüme weniger mädchenhaft, dafür eleganter und auch gewagter. Bei ihrem Date mit Matthew greift sie auf ein schlichtes rotes Kleid mit asymmetrischem Ausschnitt, schwarzen Riemchensandalen, einem beigen Trenchcoat und roter Handtasche:

In der Schlussszene greifen sie und Matthew bei den Unruhen ein, ihr Outfit ist mit den Streifen und dem Mantel noch recht patriotisch, das umgebundene Halstuch hingegen rebellisch. Das perfekte Kostüm für einen Protest.

Zuletzt folgen Isabelles Aufmachungen im Alltag in der Wohnung, in welcher sich Isabelle, Theo und Matthew zunehmend verschließen. Klar, dass sie in ihrer Privatsphäre freizügiger sind, die Kleidung wird zum Teil ganz ausgelassen. Aber dann gibt es da noch Kostüme, die träumerisch wirken und völlig aus dem realen Kontext gerissen. Zum Beispiel wenn Isabelle ihren divenhaften Auftritt in einer weißen Latzhose hinlegt, mit einem weißen Tuch um den Kopf gebunden, Wischmop in der Hand und einer extravaganten Sonnenbrille aufgesetzt. Mein zweites Lieblingskleid im Film ist hellgeblümtes Seidenkleid mit Rüschensatz an Rückenausschnitt und Schultern. Das Kleid ist so durchsichtig, dass man sich an beidem erfreuen kann: einem schön-kitschigen Kleid und Eva Greens wunderschönem Körper. Schließlich die Szene, in der Isabelle MAtthew in einem rot-beigen Satinmantel weckt, mit hochgesteckten, ausgezupften Haaren und Greta Garbo in KÖNIGIN CHRISTINE imitiert, was by the way meine Lieblingsszene im Film ist, weil der Parallelschnitt so gelungen ist und die Szenerie für den Zuschauer sowohl als auch für Matthew (der ganz überrumpelt ist und sich für seinen Morgenmundgeruch und seiner Morgenlatte zu schämen scheint) verstörend und faszinierend zugleich ist. Danach folgen nur noch Aufnahmen von Eva Green in Höschen und Tanktop, nur im Höschen oder ganz nackt. Und so hab ich sie doch auch am liebsten.

3 Kommentare

  1. Hi, ich muss zugeben, dass ich diesen Film gar nicht kenne. Mag daran liegen, dass ich meinen Premiere-Anschluss schon lange vor 2003 gekündigt habe. Das angebotene Programm gefiel mir nicht mehr, als aus dem „Teleclub“ „Premiere“ wurde. Ungefragt wurden wir plötzlich mit Fußballereignissen und Talkshows „beglückt“, um die ich – die ich ausschließlich Filme sehen wollte (für den Rest hatte man doch die freien privaten Sender), definitiv nicht gebeten hatte. Und als irgendwann mein damaliger „Was-auch-immer“ fragte, wieso ICH eigentlich Premiere-Abonenntin bin, wo ich doch gar kein Fußball-Fan bin, war dies für mich das Signal, das Abo endlich mal zu kündigen. Bis heute habe ich kein solches Abo mehr abgeschlossen, aber ich „miete“ gelegentlich einzelne Filme bei Maxdome oder Videoload (online natürlich). Wenn doch nur deren Portfolio umfangreicher wäre!!!
    Eva Green ist mir das erste Mal durch einen Auftritt in einem James Bond Film aufgefallen, den ich damals noch nicht einmal gesehen habe, aber von da an tauchte ihr Name öfter mal in den Medien auf. Und sie selbst auf den roten Teppichen, meist – wie ich finde – eher unvorteilhaft zurechtgemacht. Eigentlich finde ich sie nicht besonders hübsch, interessant sieht sie zwar aus, aber für meinen Geschmack nicht hübsch. In diesem Film, der hier vorgestellt wird, sieht sie aber wirklich klasse aus. Trotzdem frage ich mich, ob Ansehen lohnt, klingt es doch sehr nach „Anspruch“ und – wenn viel geredet wird – und sonst nicht viel passiert, dann ist das erfahrungsgemäß eher selten mein Ding. Das reißen dann auch die tollen Kostüme nicht raus. Trotzdem danke für den Tipp!
    Lg, Annemarie
    P.S.: Hast Du Dir eigentlich schon einmal „Vertigo“ vorgenommen? In meiner Kindheit war Kim Novak mein „Schönheitsideal“, als Erwachsene wollte ich immer aussehen wie sie in Vertigo. So elegant und geheimnisvoll.

  2. Zu schade, Modeoma :) Aber jeder hat ja seinen eigenen Filmgeschmack. Und mich spricht er eben gerade deswegen an, weil er so viele andere Lieblingsfilme von mir zitiert, das versetzt mich dann einfach, wie CINEMA PARADISO, ins Träumen und romantisiert meine Liebe zum Film.
    Aber hey, VERTIGO! Klar! Ich bin mit Hitchcock aufgewachsen und die Kostüme, die ja größtenteils von Edith Head stammen, sind wirklich all time favourits. Ich finde auch, dass die Eleganz selten so erreicht wurde. Die Kostüme sind ein wahrer Genuss. Also, der Film steht auf jeden Fall schon lange auf meiner Liste und ich hoffe, dass ich bald dazu kommen werde, ihn für proletkult zu screenshotten und vorzustellen. :)
    Liebe Grüße!

  3. Seit Boardwalk Empire stehe ich ja sehr auf Michael Pitt. Und ich kann mich noch vage an Kritiken zu diesem Film erinnern, die ich damals dazu las. Wir sind etwa im selben Alter und mich verstörte die Story etwas, die ich da mit meinen 13,14 Jahren in den Frauenzeitschriften las. Mittlerweile werde ich aber sicher über die geistige Reife verfügen, mir diesen Film mal anzuschauen.

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