SLUMS OF BEVERLY HILLS [1998]

So kann man also auch einen Hollywood-Coming-of-Age-Film eröffnen. Mit einem Zitat von Tolstoi. Das soll nachdenklich stimmen und inhaltlich auf das vorbereiten, was gleich kommt. Nämlich eine offenbar gescheiterte Familie, die auf den ersten Blick unglücklich und mitleiderregend wirkt; aber das Eröffnungszitat gibt uns auch Auskunft darüber, dass offenbar alle Familien irgendwie unglücklich sind. Nun, um Anna Karenina geht es in HAUPTSACHE BEVERLY HILLS nicht, aber um ein heranwachsendes Mädchen (Natasha Lyonne), die mit ihrem Bruder und ihrem Vater alle paar Monate das Zuhause wechseln muss, weil der Vater wieder mit der Miete im Rückstand ist. Und als ob das für ein junges Mädchen nicht schon genug wäre, befindet sie sich gerade mitten in der Pubertät, das ganze auch noch im Jahre 1973 und daneben muss sie sich um ihre verkorkste Cousine (Marisa Tomei) kümmern, die gerade aus der Entzugsklinik kommt, schwanger, und ihre Laufbahn als Krankenschwester antritt. Eine ganz wichtige Rolle spielen natürlich auch Natasha Lyonnes Brüste. Da scheint ein Tolstoi-Zitat also nicht weit hergeholt.

Naja, abgesehen davon, dass der Film irgendwie nicht ganz funktioniert, bietet er doch Unterhaltung. Und allein Marisa Tomei sollte schon ein Grund zum Angucken sein. Daneben gibt es noch die tollen Kostüme, die nicht nur eine amerikanische White Trash Familie darstellen sollen, sondern eine amerikanische White Trash Familie, die sich noch ganz fest an die gesellschaftlichen Normen zu orientieren versucht. Wie der Vater, der weiter fleißig seinen Anzug trägt, obwohl er schon seit Monaten arbeitslos ist oder die Tochter, die der der aktuellen Mode folgt, trotz Geldmangel und stetig wachsenden Brüsten. Undeken dieken Geheimekenspracheken vomeken Filmeken habeken icheken mireken schoneken langeken angeeigneteken.

Neben VIVIAN ABRAMOWITZs (Natasha Lyonne) großartiger Haarpracht, die sie zum hohen Pferdeschwanz bindet und die ihr dann immer vorne übers Gesicht hängen, trägt Vivian tolle Miniröcke und taillenhohe Jeansshorts. Abgesehen von den hohen Tennissocken und den Farben, finde ich, dass die Looks auch so aus den 90ern stammen könnten. Ähnliches Phänomen doch bei DIRTY DANCING, wo die 60er dargestellt werden aber Details unweigerlich von der Mode der Dreharbeiten zeugen. Ich finde den Unterscheid zwischen dem Schnitt eines 90er-Jahre-Rocks (wie ihn zum Beispiel Jennifer Aniston in FRIENDS trug oder Melissa Joan Heart in SABRINA TOTAL VERHEXT) und der 70er-Variante hier, da liegt außer in der Farbe kein Unterschied. Aber vielleicht suche ich auch bloß nach Content. Hey, schaut Euch mal die Plateauschuhe an, sind die nicht toll?

Und wie ich schon sagte, allein MARISA TOMEI ist ein Grund, sich einen Film anzuschauen. In ihrer Rolle als Rita kommt sie leider viel zu selten vor und die meiste Zeit über trägt sie quasi gar nichts. Aber wenn, dann haut sie plötzlich so ein Sportleroutfit raus, oder ein elegantes Wickelkleid (siehe ANCHORMAN) oder sieht einfach natürlich sexy aus in ihrer Krankenschwestertracht.

3 Kommentare

  1. Hi, das ist mir auch schon aufgefallen, dass die Aufmachung (Kleidung und Frisuren) in Filmen, die in der ferneren Vergangenheit (oder auch Zukunft) spielen oft ein Mix aus der tatsächlichen Mode der dargestellten Zeit und der Zeit ist, in der der Film gedreht wurde. Bzw. man einen deutlichen Einfluss spürt. Z.B. die Bienenkorbfrisuren und Miniröcke der 60er in der Original Star Treck Serie. Andererseits weiß man ja nicht, wie die Damen in 200 Jahren wirklich rumlaufen, vielleicht sehen sie ja wirklich aus wie in Star Treck, weiß mans? ;-) Die Enterprise ist jetzt vielleicht ein blödes Beispiel, weil SF – und nicht historisch, aber ist sicherlich dasselbe Prinzip. Es stört aber auch nicht. Marisas Aufmachung mit dem roten Top und der senfarbenen Schlaghose ist jedenfalls ziemlich „Boho“ und sehr cool. Und so ein Furstenberg-Wickelkleid besaß ich auch einmal (keine echtes natürlich).

    Lg, A.

  2. Marisa Tomei hat übrigens auch super Brüste ;) Ich glaube in „The Wrestler“ zu sehen?

  3. Marie

    @Modeoma

    Ja, und wenn man heute die Classic-Serie ‚Enterprise‘ anschaut, wirkt die so furchtbar retro mit ihren Kleidern, Frisuren, Make up und Kulissen, und dabei spielt sie immer noch in der Zukunft. Ich fühle mich eigentlich eher in die Vergangenheit versetzt. Bei ‚Next Generation‘ fängt das auch schon an, besonders bei den ersten Staffeln. ;)

    LG Marie

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