BOURGEOISIE EN VOGUE | LORIOT’S PAPPA ANTE PORTAS [1991]

KRAWEEL, KRAWEEL! Pappa steht vor der Tür! Für mich bedeutete das gestern einen gemütlichen Filmabend mit PAPPA ANTE PORTAS. Und ohne viele Worte über die Euch allen sicher bekannte Handlung und Loriots Humor zu verlieren, will ich nur kurz erwähnen, wie hin und weg ich von den Kostümen war! Im Making Of hab ich eben schon gesehen, wie detailbesessen Vicco von Bülow war und das muss auch auf Kostümbildnerin Anne Hoffmann übergegangen sein. Es ist auch so ein Phänomen der 80er und frühen 90er, das ich seitdem nie wieder in Filmen gesehen habe, nämlich dass so viel Wert auf die Bekleidung der Statisten wert gelegt wird, die am Ende meist nu für eine Sekunde zu sehen sind. Es war einfach eine stylishere Zeit, da kann ich nicht umhin, das stets zu betonen. Und dass sogar bei deutschen Filmen, in denen das Bürgertum auf die Schippe genommen wird, dieser Spaß an Mode und Liebe zum Accessoire wiederzufinden ist, hat mich gestern Abend besonders amüsiert. Hier der fabelhafte Look von Frau Lohse und ein paar Statisten-Funde.

RENATE LOHSE (EVELYN HAMANN): Frau Lohse hat einen guten Fang gemacht. Während ihr Mann „traditionell“ das Geld verdient und seine Familie ernährt, pflegt sie den Haushalt (oder zumindest die Organisation des Haushalts, denn die Körperarbeit übernimmt natürlich eine Haushaltshilfe) und den guten Ruf des Familiennamens. Frau Lohse ist eine waschechte Socialite! Kaum verlässt ihr Mann das Haus, wird durch die Vogue und Cosmopolitan geblättert, mit der besten Freundin der neueste Klatsch ausgetauscht, eingekauft, zum Tee eingeladen und kulturelle Veranstaltungen organisiert. Und so kleidet sich eine deutsche Dame der Gesellschaft zu Beginn der 90er:

Neben diesem Casual Look in taubenblau und angekrempelten T-Shirt-Ärmeln (sehr hip!) folgt, war ja nicht anders zu erwarten, ein wenig Pastell. Wieder ein Gesamtlook, denn sowohl Hemd, als auch Hose und Oberteil sind aus Seide oder Satin und schimmern miteinander leicht in Konkurrenz:

Weil Frau Lohse nicht nur zu Hause tätig ist, sondern auch Kontakte pflegen muss, greift sie gelegentlich zum Kostüm zurück. Aber auch hier wieder mit extravaganten Details und mit Goldschmuck aufgepimpt:

Für Dinners und Verabredungen gibt’s für die moderne Frau von Welt nicht das Kleine Schwarze, sondern das Kleine Cremefarbene. Mit einer auffälligen Goldkette und einem großen Trenchcoat DER Hingucker! Man beachte die weiße Strumpfhose…

Neben Frau Lohses schwarzem Kostüm für den 80. Geburtstag der Mutter folgen nun ein paar meiner Lieblings-Loriot-Einstellungen: Eine Frontalaufnahme der skurrilen Gesellschaft…Und Loriot selbst als extravaganter Schriftsteller slash Künstler. Weltfremd, verwirrt und mit knarzendem Leder.

Sohn Dieter sorgt zwischendurch für einige Lachis, wenn er seinen Eltern seine neue Freundin vorstellt. Immer perfektes Timing.

Tja und zuletzt die Nebenfiguren und Statisten im Hintergrund. Alle Klischees werden bedient, aber nunmal höchst schick! Na, welcher Look ist Euer Liebling?

8 Kommentare

  1. Herrlich! Manches davon wirkt aus heutiger Sicht gar nicht mal so bieder, wie man das eigentlich (von einem deutschen Film!!!) erwartet hätte. Die meisten Outfits von Renate wären heute problemlos tragbar, was natürlich an den ganzen Revivals in der Mode liegt. Bei den anderen Damen sieht es zum Teil anders aus. Vielleicht sind diese einfach zu „extrem“ – in ihrer jeweiligen „Richtung“. Übrigens – was das platinblonde Mädchen (die erste Freundin des Sohnes) betrifft: in etwa diesen Look habe ich heute mittag gleich 2 x in der Stadt gesehen – also an zwei verschiedenen Frauen, die nichts miteinander zu tun hatten. D.h. platinblonde, halblange hochtoupierte Stufen (Vokuhila) und schwarze Lederjacke, schwarze Jeans dazu…ich nenne es den „Kim-Wilde-Gedächtnislook“. Und da ich schon zwei(!) davon gesehen habe, rechne ich fest mit einem neuen Trend!

    Lg, Annemarie

  2. Laura

    Danke für diesen Beitrag, Pappa Ante Portas ist einer meiner Lieblingsfilme, den ich auch immer gern zitiere. Dieters Freundin Nummer 3 ist übrigens auch nicht zu verachten: Hochwasser-High-Waist-Jeans mit Collegejacke und dicker Uhr ums Handgelenk. Das kennt man doch….
    Achja, und zu Renates erstem, taubenblauem Look: ist der Gürtel ein Bandana?!

  3. Das lässige Freizeit-Outfit von Frau Lohse erinnert mich persönlich ein wenig an den Power-Hanseaten-Look von Jil Sander in den 80ern Jahren. Und: Der Gürtel könnte tatsächlich ein Bandana sein!

  4. Laura

    Power-Hanseaten-Look! Super! Passt doch, soweit ich weiß wurde der Film größtenteils in Hamburg gedreht.

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