CHINATOWN [1974]

Zeit für was Klassisches. Und für Hollywood gibt’s da genau zwei Archetypen: Den Vamp der 30er und 40er Jahre oder… Audrey Hepburn. Und die gibt’s bekanntlich nur ein Mal. Nee ich glaub echt, dass immer, wenn eine weibliche Filmfigur chic und classy sein soll, sie sich immer an den Elementen der Femme Fatales orientiert. Dramatisches, aber stilvolles Make-up, eine prächtige Wallemähne, Kopfbedeckung, Sonnenbrillen, Bleistiftröcke, Pelze, Federnschmuck usw. In CHINATOWN greift Roman Polasnki vor allem darum auf diesen Frauentypus zurück, weil der Film eine Hommage an den alten Film noir ist. Es geht also ganz bewusst um Klischees.

Der Detektiv J. J. Gittes (Jack Nicholson) geht dem Verdacht einer vermeintlich betrogenen Ehefrau nach und verwickelt sich in seinen Nachforschungen in die Korruption der Wasserwerke El Lays und deckt das dunkle Familiengeheimnis der schönen Evelyn Mulwray (Faye Dunaway) auf. Eine perfekte Kriminalgeschichte, die Polanski perfekt stilisiert umsetzt und damit vielleicht auch einen Trend in Neo Noirs gelegt hat (BLADE RUNNER; L. A. CONFIDENTIAL).

Zur Optik und Geschichte des Films trugen vor allem die Kostüme von Anthea Sylbert ihren Teil bei. Die lässige Garderobe von J. J. Gittes, der manchmal vielleicht zu nachlässig wird und sich in Gefahr bringt und mit seinem überdimensionalen Pflaster auf der Visage, die seinen aufgeschlitzten Nasenflügel verdecken soll, irgendwie lächerlich aussieht und dennoch unaufhaltsam bleibt. Oder Evelyn Mulwray, die uns zunächst als dubiose Femme Fatale erscheint, nur um sich als Good bad girl zu entpuppen, einer aufopferungsvollen Mutter, die nur ihre Tochter beschützen will. Ihre kühle Eleganz wird gesprengt, als sie sich in den Ermittler Gittes verliebt und sich auf ihn einlässt. Schauen wir uns das doch mal an:

J. J. GITTES (JACK NICHOLSON): Gittes lässiger Look wird vor allem durch die legeren Farben und Farbkombinationen erzeugt. Die dreiteiligen Anzüge scheinen aus besten Materialien hergestellt worden zu ein und verkörpern auch Gittes Eitelkeit. Die Krawatten-Brusttaschentuch-Kombinationen sind einer Aufmerksamkeit wert, ebenso der Kontrast, den er zu Mrs. Mulwray’s strenger Eleganz bildet.

EVELYN MULWRAY (FAYE DUNAWAY): Im ersten Bild zunächst die vermeintliche Mrs. Mulwray, die sich als sie ausgibt und Gittes beauftragt, ihren Mann auszuspionieren. Interessant, wenn Filmfiguren intern sich gegenseitig kopieren und somit schon einen gewissen Look filmintern definieren.

Wasserwellen, aufgemalte Augenbrauen und elegante Kopfbedeckungen. Wie ich schon mal beim Look of the day erwähnte, war der Look von Faye Dunaway im Film inspiriert von Roman Polanskis Mutter. Zum ersten Mal erscheint Mrs. Mulwray in ienem grauen Anzug mit enggebundenem Halstuch, einer weißen Rollkragenbluse aus Seide, einer Brosche und einem seitlich aufgekrempten Hut. Details, wie der passende Nagellack zum Lippenstift sind ein Augenschmaus für Filmkostümliebhaber.

Zwischendurch erleben wir Mrs. Mulwray mal persönlicher, hier auf ihrem Anwesen in legerer Freizeit- und Sportkleidung. In ihren beigen Reiterhosen kann sie nun auch Gittes Konkurrenz machen:

Dann wirds wieder etwas förmlicher und Evelyn distanziert sich mit einem Schleier vor ihrem Gesicht. Der schwarze Art-deco-Look erinnert unweigerlich an Marlene Dietrich, alles ist perfekt inszeniert, sogar die rote Blume am Tisch vor Evelyn:

Dass Baskenmützen Faye Dunaway besonders stehen weiß wohl jeder seit BONNIE & CLYDE:

Es ist soweit, die kühle Evelyn Mulwray hat sich in den charmanten Gittes verliebt und verbringt eine Nacht mit ihm. Aber stilvoll natürlich, in einem langen weißen Seidenkled, das schon Filmstars wie Jean Harlow trugen:

Für das finale Showdown gibt’s ein lässig elegantes schwarzes Kleid für Mrs. Mulwray. Es ist der Moment, an dem ihr wahres Ich ans Licht kommt, ihre tragische Geschichte. Und es ist Zahltag und Evelyn hat vor, sich an ihren Peiniger zu rächen. Dass das für sie nicht gut ausgehen kann, ist für Filmkenner klar:

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