THE FLODDER GIRLS ARE MY (STYLE) HEROES

Ganz genau, die Flodders. Die „niederländischen Bundys“. Der Abschaum unter den Eliteeinwohnern von Zonnedael. Und es sind eigentlich alle Familienmitglieder, die mich mit ihrem Stil inspirieren. Weil sie ihm, trotz wechselnder Darsteller, über zehn Jahre lang treu bleiben. Weil ihr Stil trotz unüberschaubarer Klischeereinfälle doch irgendwie authentisch ist, wenn man mal die wirklich überspitzten Elemente weglässt. Wir können das tagtäglich auf RTLs pseudo-dokumentarischen Programm verfolgen. Die Mutter, die sich ziemlich gehen lässt. Die Jaqueline-Chantals und Kevin-Jasons, die alle unterschiedliche Väter haben. Der Älteste, der Macho, der mit seinen prolligen Outfits durch die Discos zieht. Die Älteste, die auf ihren abgetretenen Pumps von Tally Weijl zur nächsten Verabredung stolziert. Je nach Kinderanzahl auch mal ein nerdiger PC-Junkie oder eine verantwortungsbewusste Tochter, auf der die Last der untauglichen Familie lastet. Und nicht zu vergessen der Sozialarbeiter, der optimistisch versucht, die nicht zu rettende Familie zu retten. Und jetzt übersetzt das Mal in das goldene Zeitalter der 90er Jahre. Oh yess! Im Gegensatz zu den Bundys waren die Flodders immer schon eine warmherzige Familie, die zueinander halten und die mit ihrer Lebenssituation völlig im Einklang sind. Der Witz besteht hier weniger in den bissigen Dialogen und schlechten Witzen, sondern in Situationskomik, Tollpatschigkeit, ja eben Slapstick. Aber das beste – die Witze landen immer auf das Konto der sogenannten Elite! Die Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit in der Darstellung der Flodder-Schauspieler bewirkt, dass man die Familienmitglieder sofort sympathisch findet. Sie werden zum Verbündeten, zur Normalität. Die anderen, die wohlhabenden Figuren in der Geschichte, sind die absurden, lächerlichen Witzfiguren, über die man lacht. Anarchie herrscht bei den Flodders und das vor allem in der Kleidung. Und so stelle ich Euch mal kurz meine drei Lieblingsfamilienmitglieder vor, am Beispiel der letzten Verfilmung der Flodders, FLODDER FOREVER.

GERTRAUDE „MA“ FLODDER: Zum Glück hatte die Rolle des Familienoberhaupts immer die selbe Darstellerin, nämlich Nelly Frija. Denn keine hätte sie besser darstellen können. Mas Look ist legendär und ich wette auch, dass er als Vorbild für den Dude diente. Gummistiefel, Hauskittel und die omnipräsente Zigarre im Mundwinkel sind ihr Markenzeichen, wobei die Blumenmuster des Kittels immer variieren. Schließlich muss ja bei jeder modebewussten Frau etwas Abwechslung in die Garderobe. Erstaunlich, und das lässt mich ihren Stil besonders bewundern, ist, dass Ma trotz ihres, naja, legeren Looks, so eine erotische Anziehungskraft auf Männer zu üben scheint. Wie sollte sie sonst all die Kinder gezeugt haben, die alle jeweils einen anderen Erzeuger haben? In FLODDER FOREVER ist es der vermeintliche Landstreicher, der sich sofort in die vorlaute Erscheinung verliebt. An ihrem Hochzeitstag putzt sich Ma seinetwegen sogar richtig raus und trägt ein recht adrettes, weißes Kleid mit schicker Kopfbedeckung, aber natürlich mit der Zigarre. Eine toughe, alleinerziehende Mutter, von der man einiges lernen kann. Zum Beispiel Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Übrigens, Nelly Frija sieht heute mit ihrer blonden Politikerfrisur noch immer recht fesch aus.

KEES FLODDER: Auch Kees hatte ihre Stammdarstellerin mit der schönen Kroatin Tatjana Simić. Das Kelly-Bundy-Pendent pflegt den typischen Look mit hellblonden, toupierten Haaren, viel Pink, Leggins, hohen Absätzen und dem obligatorischen Leomuster. Ihr Look besteht aus DEN White-Trash-Elementen, die jede Hipsterbraut verinnerlicht haben sollte. Barbie gemischt mit Straßennutte. Und jetzt tragt mal diesen Look, ohne dabei billig zu wirken! Kees schafft das tatsächlich. Naja, manchmal zumindest. Aber was wir vor allem von Kees lernen können, ist Mut zur Weiblichkeit und… keine Ahnung, jedenfalls sind ihre Outfits ziemlich geil.

TINA FLODDER: Und last but not least das jüngste weibliche Familienmitglied. So viel kriminelle Energie drückt sich natürlich auch auf die Kleidung aus. Und so trägt die Junganarchistin Tina ihre Haare kurz und strubbelig, ihre Leggins durchlöchert und ihre Shirts übergroß. Ich finde, sie ist ne punkige Version von Pippi Langstrumpf mit exotischer Abstammung. Auch sie trägt an Mas Hochzeitstag statt ihrer typischen Kleidung ein ziemlich abgefahrenes Outfit: Ein pinkes Satinhemd mit schwarzer Weste und silberner Fliege, eine mit Strass bestückte, falschrum getragene Cap aus der paar Power-Strähnen hervorstehen und eine göttliche rosa getönte Brille in Herzform.

3 Kommentare

  1. Schöner Artikel, wenn auch – denk ich mal – mit etwas Augenzwinkern zu verstehen oder? (zumindest was die Mutter und Kees betrifft…)

    Aber es stimmt schon: Der Archetyp, den Kees verkörpert begleitet uns tatsächlich durch dieJahrzehnte, ich nenne mal Pamela Anderson, Katie Price, Gina-Lisa Dingsbums oder Daniela Katzenberger als prominente Beispiele (dieser „Stil“ ist wirklich nicht totzukriegenden) . Und hier in der Stadt sieht man auch einige junge Mädchen, die sich offenbar davon inspirieren lassen – vor allem in (oder aus) sozial schwächeren Gegenden.

    Als wirklich modisch/hipp würde heutzutage aber unter „Hippstern“ nur Tina Flodder gelten. Diese dafür aber mal so RICHTIG. So ähnliche Kappen gibts kommende Saison bei H&M, um nur ein Beispiel zu nennen, bedruckte T-Shirts sind modisch aktuell gerade ganz vorne mit dabei und mit ihrem 90er Musterrevival und Mustermix wäre sie momentan schwer angesagt. Und Leggings, die sind ja auch schon seit Jahren wieder „salonfähig“… Es bräuchte nur andere Schuhe dazu (Highheels oder besser noch Turnschuhe mit Plateauabsatz), fertig wäre das „Modemädchen“ anno 2012 :-)

    Lg, die Modeoma

  2. Hi ervehea, das freut mich zu lesen. Eigentlich völlig unverständlich, dass hier ansonsten eher wenig kommentiert wird. Ich finde Deine Artikel immer sehr interessant und auch unterhaltsam.

    Lg, Annemarie

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