FATAL ATTRACTION [1987] | SUPER CHIC PSYCHO KILLER

Alex Forrest (Glenn Close) ist die  Mutter aller Stalkerinnen und sicher auch die stylishste Psychopathin aller Filme. In FATAL ATTRACTION [EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE] verpasste Kostümbildnerin Ellen Mirojnick (WALL STREET, BASIC INSTINCT, UNFAITHFUL… also bei Erotik-Thrillern zu Hause) der Erotomanin einen super chicen Powerlook und man weiß nicht so recht, ob man sich vor Glenn Close in die Hose scheißen oder sie anbeten soll. Ihre Figur löst Zweispältigkeit aus. Wirkt sie zu Beginn noch voller Geheimnisse und Charme, stößt sie später nicht nur Hauptfigur Michael Douglas mit ihren Anfällen und ihrer Anhänglichkeit ab. Emotional wechselt sie zwischen abgeklärter Lebenslust und hysterischen Intrigen, zwischen „Gut“ und „Böse“, kostümtechnisch dann auch zwischen weiß und schwarz. Nicht dass weiß bei Alex für ihre gute und schwarz für ihre schlechte Seite stehen würden, sondern wahrscheinlicher für ihre extreme Persönlichkeit und Unausgeglichenheit. Und auch Glenn Close selbst repräsentiert eine gewisse erotische Anziehungskraft, die ihrem eigentlichen Aussehen gegenüber steht, denn gemeinhin wird Glenny wohl kaum als klassische Schönheit betrachtet. Einen großen Beitrag zu dieser Ausstrahlung führt gerade die Kleidung herbei (und natürlich Glenns blonde Dauerwellenpracht und sonnengeküsster Teint). Daneben verfügt ihre Kleidung auch über ein feministisches Statement, wie ihre Bürokostüme, Schulterpolster, ihre übergroßen Mäntel und ihr natürliches Make-up. Alex Forrest steht mit 36 Jahren zumindest beruflich auf beiden Beinen, versorgt sich selbst, geht aus, mit wem sie will, scheint emanzipiert und selbstbewusst und vor allem stilvoll. Eine Frau, die – und das für die 80er Jahre – scheinbar alles besitzt, niemanden braucht und sogar für ihr Ungeborenes keinen Mann an ihrer Seite benötigt. Doch zum Wohle der Story passiert dann natürlich genau das Gegenteil und Alex entpuppt sich als obsessive, ja mörderische Stalkerin.

Ihr erster Auftritt erfolgt bei einer Buchpräsentation, das schimmernde Abendkleid verleiht ihr eine subtile Erotik:

Komplett in weiß und gold tritt sie anschließend auf, mein Lieblingsoutfit im ganzen Film. Als sie im Regen steht und das weiß vor dem vergrauten Hintergrund leuchtet, ja da wollte ich nicht glauben, dass sie auch nur einen Funken Wahnsinn in sich tragen kann. Optisch hat’s mir vor allem der cremeweiße Trenchcoat angetan. Dieser Look ist wirklich Perfektion!

Dann folgen einige unspektakuläre Outfits. Die obere Reihe betrifft sie beim Feiern, Spielen und Kochen. Darunter ihre Schlafgarderobe. Das weiße XXL-Shirt, das sich Alex später mit ihrem Blut versaut, erinnert an Patientenkittel von psychiatrischen Anstalten.

Oh und der Killer-Mantel! Schonmal so krasse Schulterpolster gesehen? Ich meine, die Dauerwelle trickst ja schon seitlich Volumen herbei, also ohne die wäre Glennys Kopf im Vergleich zu den Schultern eine winzige Erbse. Aber die Tatsache, dass die Schultern abgerundet sind, der schwarze Mantel aus glänzendem Leder besteht und um die Taille auch noch mit einem Gürtel zugeschnürt ist macht ihn einfach fantastisch. Darunter eine weitere Mantelkreation, diesmal aus grauer Wolle, ebenfalls taillenumbunden.

Und schließlich zum Showdown nochmal pures Weiß. Erst im Zweiteiler, ohne BH und schließlich in einem weißen Kleid mit U-Boot-Ausschnitt und freiliegendem Rücken. Das Kleid, das heute beliebtes Halloweenkostüm ist, ist zwar wunderschön, unterstützt jedoch Alexs psychopatischen Ausbruch, denn auch wenn sie mit ihren blonden Locken darin wie ein Engel aussehen müsste, wirkt die Kleiderwahl verfehlt und Alex sieht darin wie eine ausgewachsene, traurige Puppe aus.

Im Kontrast dazu nochmal Beth Gallagher (Anne Archer), die betrogene Ehefrau. Sie ist bildhübsch, brünett und pflegt bis auf besonderen Gelegenheiten einen recht spießigen, alltäglichen Stil. Ich glaube zumindest, dass ihre zugeknöpften, gemusterten Hemden und körperunbetonten Kleider ausdrücken sollen, dass es sich um eine verheiratete Ehefrau und Mutter handelt, die entweder bewusst oder unbewusst keinen Wert auf die Ausstrahlung optischer Reize legt. Weil Anne Archer aber so strahlend schön ist, kann der Betrachter nicht nachvollziehen, dass ihr Gatte die Ehe mit ihr für eine flüchtige Affäre aufs Spiel setzt.

2009 erschien übrigens das Remake OBSESSED mit Beyoncé Knowles in der Rolle der Geliebten. Big B in allen Ehren, aber den muss man nun wirklich nicht gesehen haben.

2 Kommentare

  1. Hi, man merkt, dass Du das Meisterwerk „Obsessed“ tatsächlich nicht gesehen hast. Die gute Beyonce nämlich spielt selbstverständlich nicht die böse Geliebte sondern die liebe Ehefrau!
    Apropos – kann es sein, dass „Fatal Attraction“ das Image der „Geliebten“ nachhaltig für alle nachfolgenden Jahrzehnte geprägt/verschlechtert hat? Ist dieser Film vielleicht der Grund, warum bei solchen Affären heutzutage grundsätzlich die Geliebte „die Böse“ ist (siehe Kirsten S.-Affäre, ist aber nur ein Beispiel von vielen) und der Mann dagegen stets nur sowas wie ein unschuldiges Opfer? Oder war das schon vor diesem Film so? Davon abgesehen – toller spannender Film, definitiv.

    Lg, die Modeoma

    • Oh shit, da hab ich mich verlesen. Stimmt natürlich, Danke!
      Was die Opferrolle angeht, leider endet’s in der Regel tatsächlich noch so, dass die Geliebte den Hass erntet und der Betrügende seiner Verantwortung entkommt, denn schon Eva verführte den unschuldigen Adam zur Sünde. ;) Ja der Film hat für diesen Aspekt gerade aus feministischer Front Kritik geerntet. Dass diese Dämonisierung der Geliebten erst mit dem Film kam, können wir sicher bezweifeln. Aber Glenn Close hat mit ihrer Rolle dem Klischee sicher noch das Sahnehäubchen Soziopathie aufgesetzt, der Schrecken nicht nur aller Männer, sondern auch aller Frauen.

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