BUFFALO 66 [1998]

Billy Brown wird nach fünf Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Die neue Umgebung draußen ist grau, verschneit und trostlos, Billy friert. Er muss pinkeln, will dafür wieder zurück ins Gefängnisgebäude, läuft durch Hallen und Restaurants, fragt überall nach einer Toilette, doch es scheint weit und breit kein stilles Örtchen zu geben. Max Hermann dazu in seiner Kritik von BUFFALO 66:

„Der Running Gag der ersten Minuten des Films markiert den Stil der lakonischen Komödie um ihre hektisch geladene Hauptfigur: ein harmloses Großmaul, zugleich auch ein emotional verstörter Mensch, der fremd in dieser Welt ist, und es vermutlich schon vor seiner Haft war. „

Aber Billy hat ein Ziel. Er will sich an den Spieler der Buffalo Bills rächen, wessentwegen er sich verwettet und ins Gefängnis gelandet ist. Doch bevor er das tut, muss er zunächst seinen Eltern einen Besuch abstatten, denen er die fünf Jahre lang glaubhaft machen konnte, dass er irgendwo einen festen Job hat und glücklich verheiratet ist. Diese Verpflichtung einerseits und sein anvisiertes Ziel andererseits machen ihn nervös. Er steht wie unter Strom, wirkt hilflos und ungeschickt, was ihn wiederum gereizt macht, er bricht schnell in Wutausbrüchen aus. Zuerst braucht er das Alibi für seine Eltern und kidnappt prompt das erste Mädchen, das ihm über den Weg läuft. Layla (Christina Ricci) kommt gerade aus ihrem Steptanz-Unterricht. Er zwingt sie in ihr Auto und befiehlt ihr, seine glückliche Ehefrau zu spielen. Layla wehrt sich nicht groß, sie gibt gelegentlich einen bissigen Kommentar, doch wirkt sie eher fasziniert als verängstigt.

Anjelica Huston spielt die Mutter von Billy, sie ist ein waschechter Fan der Buffalo Bills. Nonstop verfolgt sie die Spiele und Berichte auf ihrem kleinen Fernseher, es scheint ihr einziger Lebensinhalt zu sein. Der Vater gibt sich als Schnulzensänger, seine Karriere scheint aber eher eingebildet als wirklich existent zu sein. Er scheint sich weder auf den Besuch seines Sohnes zu freuen, noch sich für dessen Verbleib in den letzten fünf Jahren zu interessieren. Dafür grabscht er hier und da gerne mal Layla an, die er sehr ins Herz geschlossen zu haben scheint. Layla gibt alles und übertreibt zuweilen in ihrem Versuch, Billy gut aussehen zu lassen. Ihre Zuneigung zu Billy ist offensichtlich, doch dieser leugnet vorerst seine Gefühle für sie :

„Er erklärt ihr, daß er seit seiner »großen Jugendliebe« keine Frau mehr berühren kann – ohnehin sei gerade keine Zeit dafür, sich zu verlieben, schließlich müsse er ja noch diesen Footballspieler erschießen.“

Die eigentlich recht heftigen Szenen erscheinen komisch und trocken. Es herrscht eine „kulturelle und emotionale Armut“, aus der nur Billy und Layla hervorstechen. Es ist ihre Loyalität und Geduld, die einen positiven Einfluss auf Billy ausüben. Er ist kein bösartiger Krimineller, sondern ein ein verletzter und sensibler junger Mann, der Liebe und Zuneigung nie erfahren zu haben scheint. Er ist angreifbar und reagiert schnell über. Doch der Zuschauer empfindet dennoch Sympathie mit ihm. Bilder seiner Kinder bombardieren ihn, wir lernen seine Vergangenheit und seine Umstände kennen und die Härte deser Situation gibt Verständnis für die Härte seines Auftretens.

„Die Erzählhaltung bleibt dabei lakonisch und minimalistisch, selbst wenn die Figuren, wie Billy oder seine Mutter, großmäulig oder hysterisch handeln – das erinnert ein wenig an das Verhältnis von Jim Jarmuschs Filmstil zum Schauspiel von Tom Waits und zu dem von Roberto Begnini.“

Ich weiß nicht, ob Gallo ein Fan von David Lynch ist, aber die Szene, in der Billys Vater Layla Moonchild von King Crimson vorsingt oder Layla beim Bowlen plötzlich anfängt zu steppen und dabei ein Lichtscheinwerfer auf sie gerichtet ist, das erinnert mich ein bisschen an ERASERHEAD („In Heaven, everything is fine“) oder BLUE VELVET.

Noch so eine Szene, in der man Mitgefühl für Billy entwickelt. Während er vorher mit seiner Jugendliebe prahlt, treffen sie in einem Diner auf diese, die ihn zwar wiedererkennt, aber ihn nicht zu kennen scheint und sich sogar über ihn lustig macht.

Zitate aus arteschock.de

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