EIKO ISHIOKA’S COSTUMES FOR THE FALL

Wenn Eiko Ishiokas Arbeit es bisher nicht auf Proletkult geschafft hat, dann nur deshalb, weil ich mich vor lauter Ehrfurcht nicht da ran gewagt habe. Ende Januar verstarb Ishioka, für mich der Alexander McQueen der Kostümbildner, kurz nachdem ich zum ersten Mal THE FALL schaute. Bei den pompösen, phantastischen, märchenhaften und manchmal auch wirklich gruseligen Kostümen werdet Ihr sicher auch sofort an THE CELL erinnert, für den Ishioka ebenfalls die Kostüme kreierte und der ebenfalls vom Regisseur Tarsem Singh ist.

Anfangs tätig in der Werbeabteilung für Shiseido, begann Ishioka bald mit der Ausstattung von Filmen und Broadway-Produktionen, führte später Regie beim Musikvideo COCOON von Björk, gestaltete die Kleidung für die Olympischen Spiele, für eine Show des Cirque du Soleil und für Bühnenkostüme von Grace Jones. Immer zeigte sie ein unglaubliches Maß an Phantasie und Verträumtheit und vermochte allein mit Kostümen den Betrachter in eine schaurige Atmosphäre hineinzuziehen. Für THE FALL bestand ihre Herausforderung nicht in den Kostümen der Darsteller der 20er Jahre, sondern wohl eher in den Phantasiegestalten aus der Geschichte, die Roy dem Mädchen Alexandria erzählt. Sie spielt ein bisschen mit fernöstlichen Klischees, die Geschichte spielt schließlich in Indien, und bringt viele kindliche Phantasieelemente ein, wie die Maske des Banditen oder…. naja seht selbst:

Alexandria (Catinca Untaru) mit zwei süßen Zöpfen, einem Mädchenkleid und einem Strickpullover über ihren gesunden Arm gezogen:

Die fünf Helden:

Roy Walker (Lee Pace) als bettlägeriger Stuntman und später als der Held in der Geschichte, der maskierte Bandit mit der Zahnlücke (in einem Zorro-ähnlichen Kostüm). Genau wie Alexandria sieht sein grauer Überziehpullover ein bisschen trostlos aus, wahrscheinlich die übliche Kluft für Patienten in Krankenhäusern:

Hier nochmal Alexandria in selber Kostümierung wie der maskierte Bandit, weil er später ihre Vaterfigur, Vorbild und Held darstellt, dem sie zur Hilfe beikommt:

Der Sklave Otta Benga (Marcus Wesley), der in der Realität ein einfacher Eisverkäufer oder -lieferant ist. Sein Sklavenkostüm ist ganz simpel, eine einfache Schürze trägt er, mit etwas Fellbesatz. Auf dem Kopf zwei wilde Hörner und eine Eisenperlenkopfbedeckung:

Der Inder (Jeetu Verma), der, wann immer er nervös war, sich über eine Augenbraue strich. In der Realität trifft Alexandria ihn als den Orangenpflücker an. Als Inder trägt er natürlich einen Turban, prächtige Farben und einen herrlichen Bart:

Luigi (Robin Smith), ein weiterer Held in der Geschichte. Er taucht im Intro und am Ende bei der Filmaufführung auf, ist in der Realität einer der Filmemacher und somit offenbar einzig die Erfindung von Roy. Er trägt einen außergewöhnlichen gelben Mantel mit schimmernder Bestickung. Dieser zusammen mit seiner Kopfbedeckung erinnert an eine südländische Tracht:

Charles Darwin, der Wissenschaftler (Leo Bill) ist mein persönlicher Favorit, weil sein Kostüm so einfach ist aber sich mir doch am meisten eingeprägt hat. Der Name ist natürlich ein Zitat. Seine Melone und die Stiefel würd ich genau so tragen, in dem Mantel würd ich gerne schlafen! Ein bunter Wissenschaftler mit Liebe zu exotischen Tieren und diese Liebe drückt sich genau in diesem Mantel aus, der die Federn eines schönen Tieres nachahmt. Und dabei scheint der Mantel auch nicht aus Tierhaaren oder -federn zu bestehen:

Der Baummensch mit langen Rastas, erdverschmiert:

Die Ritter des Tyrannen. Witzig, denn Alexandria sieht im Hospital einen Arbeiter in Schutzkleidung (erstes Bild links oben auf der Collage) und gestaltet in ihrer Phantasie die Bösewichte offenbar nach genau diesem Menschen, vor dem sie sich fürchtet. Bedrohlich wirkende Eisenkleidung mit Schutzhelmen und langen Schwertern. Mich erinnern die Ritter ein bisschen an überdimensionale Schachfiguren:

Der Diener der Prinzessin:

Prinzessin Evelyn (Justine Waddell), die in der Geschichte zwar Roys Geliebte darstellt, in der Realität aber bloß eine der Krankenschwestern ist. Vier Kostüme trägt sie im gesamten Film, eines überwältigender als das andere. Besonders ihr Hochzeitskleid mit dem Glasperlenvorhang um ihr Gesicht ist atemberaubend. Als sie in der Geschichte auftaucht, trägt sie ein langes Kimonoähnliches Kleid mit Glockenärmeln. Der rote Satin ist mit einem gelben Blütenmuster bestickt. Vermutlich die gleiche Blume, die auch ihre Kopfbedeckung darstellen soll, allerdings bin ich nun wirklich die letzte, die sich in Blumensorten auskennt, also freu ich mich über jeden Tipp. Ein wahrlicher Hingucker auch der Fächer, der ihr Gesicht verdeckt und den sie dann von der Mitte aus seitlich aufschiebt:

Tänzer auf der Hochzeit. Ihre Kleider und die Kopfbedeckungen erinnern auch hier an Trachten.

Edit: Offenbar lehnen sich die Kostüme und der Tanz hier an dir islamische Ordensgemeinschaft der Derwisch und ihren mystischen Zeremonietänzen.

Hier oben ein Bild der Derwisch aus Wikipedia.

Der hinterhältige Priester:

Der böse Gouverneur Odious (Daniel Caltagirone), der in der Geschichte schon eher als die Realfigur Sinclair auftaucht. Wie man sich so einen reichen Typen aus den 20ern eben vorstellt:

König Alexander und seine Krieger:

Und alle übrigen. Die Krankenschwesterkostümierung stimmt übrigens ziemlich überein mit den Kostümen der Krankenschwestern in ATOENMENT:

Ziemlich abgefahren, nicht? Hier gibt es noch ein altes Interview mit Eiko Ishioka mit dem V Magazine. Und ein paar „Reasons why you should like Eiko Ishioka„.

Die Screenshots sind von mir, alle anderen Bilder von imdb.

3 Kommentare

  1. Wunderbar, dass sich damit endlich mal jemand befasst! Ein unfassbar verspielter, märchenhafter Film, den ganz viele bisher leider verpasst haben. :)
    Das Kostüm des maskierten Banditen splittet sich noch mal in 2 Teile auf. Zuerst ist dieser ja in Alexandrias Fantasie ihr eigener Vater (und auch da nur mit der charmanten Zahnlücke versehen), später wechselt er dann in Roy über. (Färbung des weißen, ewig langen Tuches.) Der Wechsel lässt sich an der Kopfbedeckung erkennen.
    Alexandrias Vater: Hut mit Sonnenschutz im Nacken
    Roy: Hut. Just plain.

    • Stimmt, das ist mir gar nicht aufgefallen! Vielen Dank für die Ergänzung, Jordan! Ich freu mich immer, wenn jemanden solche Details auffallen, als wär’s mein eigener Film, haha ;)

  2. Pingback: COSTUMES FROM OUTTA SPACE A THRIFT STORE « proletkult

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: