THE CRAFT [1996]

Es war einmal ein Mädchen namens Sarah. Sarah ist gerade mit ihrem Vater in eine neue Ortschaft gezogen, nachdem sie versucht hatte, sich die Pulsadern durchzuschneiden. Es hätte nun alles so schön werden können, ein neues Haus, eine neue Umgebung und viele nette neue Freunde.

Doch die arme Sarah scheint nicht in die katholische Schule hineinzupassen. Die Mädchen schließen sie aus, die Jungs verbreiten Lügengeschichten.

Doch zum Glück verfügt Sarah über telekinetische Kräfte und magischer Intuition, denn die drei „Schlampen von Eastwick“ suchen zufällig noch eine vierte im Bunde, um ihren Hexenzirkel zu komplettieren und mehr Macht zu erlangen. Endlich hat Sarah loyale Freunde gefunden und die Außenseiterinnen können gemeinsam gegen ihre gemeinen Mitmenschen kämpfen.

Ja der Film hält den Klischeekitsch, den er verspricht. Das neue Mädchen will einfach nicht hineinpassen, die Außenseiter haben auch immer ein dunkles Geheimnis und wer Späße auf Kosten anderer macht, auf den fällt es am Ende auch wieder dreifach zurück.

Ein dicker Zeigefinger, der auf uns zielt, ein bisschen schlechter Humor und ein abgefahrener Kleidungsstil – diese Zutaten reichten offenbar, um einen Film populär zu machen. Für mich war DER HEXENCLUB jedenfalls DER Film zu meiner Anfangsschulzeit und ich guck ihn mir immer wieder gerne an, allein um Fairuza Balks Gothic-Kostüme anzuschmachten.

12 nette Hintergrundinformationen und Lerntipps zum und vom Film gibt es auf StraightLesbian.com. Dass man sich zum Beispiel die letzten 20 Minuten des Films ersparen sollte und ich kann ihr da nur zustimmen. Viel interessanter noch die Anekdote über die Visagistin des Films, die für das Gothic-Make-up von Nancy [Fairuza Balk] verantwortlich war:

The make-up artist hired onto The Craft lied on her resume.
„The producers of the film should’ve known from the start that the freelance make-up artist that they hired was bad news when they saw her giving blowies behind a KFC/Pizza Hut. When asked if she could do “gothic”, she took a Sharpie out of her bra and started drawing thick lines under actress Fairuza Balk’s eyelids. She then lit the tip of a purple Crayon on fire, and traced Balk’s lips with this dark tint, and shouted “DONE, BITCHES!” and then passed out in a pile of her own vomit. Producers were running out of a budget, so they said fuck it. Balk still has those permanent black lines under her eyes.“

[Oh ein Caravaggio-Zitat!]

Ok, wir sind uns also hoffentlich darüber einig, dass der Film eigentlich echt mies ist. Aber die Kostüme von Deborah Everton können wir dennoch nicht vergessen! Wir haben vier Charaktere, alle Außenseiterinnen einer katholischen Highschool in den 90ern. Die Neue, Sarah, ist noch etwas orientierungslos, kommt unschuldig daher, verliert sich zwischendurch im Stil ihrer neuen Freundinnen, um am Ende wieder katharsisch aufzutreten. Die anderen drei sind vermeintliche Hexen. Was also tun, wenn man seinen Hang zum Esotherischen und Diabolischen mit der Reinheit des Katholizismus verbinden muss? Joa, man peppt seine vorgeschriebene Uniform einfach nach eigenen Wünschen um. Weiß vermischt sich mit Schwarz, das Gute des Katholizismus mit dem Bösen des Heidentums und die verkommene Jugend mischt das geordnete System auf. Und zum Schluss haben wir noch die gesegnete Lirio, eine sogenannte weiße Magierin, die Sarah wieder auf den Pfad des Guten bringen und sie beschützen will.

Zur Rolle der Sarah Bailey [Robin Tunney] gibt’s nun nicht mehr zu sagen. Brav ist sie, unschudlig, lässt sich kurz mitziehen und wird sich dann doch ihrer eigenen Moral bewusst und kehrt auch kleidertechnisch wieder zurück zum „Guten“:

Ein Schatz dagegen ist Nancy Downs [Fairuza Balk]. Vom „white trash“ zur oberen Mittelschicht aufgestiegen, Dank eines mysteriösen Herzinfarkts ihres Stiefvaters, der eine Versicherungspolice hinterließ. Ihr Look im Film ist stilprägend. Die kurzen zerzausten Haare, das dunkle Augenmakeup, der dunkle Lippenstift. Später gibt sie die Schuluniform gänzlich auf und sich der Gothic-Kleider hin. Alles scheinbar Verächtliche ist hier zusammengewürfelt. Die Piercings und Nietenhalsbänder der Punks, der PVC-Mantel der Raver, die Glockenärmel der Goths und die typischen Schnürstiefel einer Hexe (wie man sie eben porträtiert).

Bonnie [Neve Campbell] und Rochelle [Rachel True] sind daneben einfach die beiden Mitläuferinnen. Bonnie zeichnet sich anfangs dadurch aus, dass sie ihre Brandnarben auf dem Rücken mit geschlossener Kleidung verdeckt, sich dann später nach ihrer magischen Heilung reizend präsentiert. Rochelle leidet unter den rassistischen Mobbereien ihrer Mitschülerinnen, trägt sonst brav ihre Uniform, hat wunderschöne Haare und sieht doch ein bisschen aus wie Mel B. von den Spice Girls, oder nicht?

Und zuletzt Lirio [Assumpta Serna]. Eine attraktive Frau, die aussieht wie die Verkäuferin des indischen Esoterikladens bei mir um die Ecke.

Was mich rückblickend verwundert, ist der ganze Hexenkult, der in den 90er Jahren entstand. CHARMED oder SABRINA TOTAL VERHEXT, um mal zwei Beispiele zu nennen. Ein Phänomen, dass der Hexenzirkel-Wiki versucht zu erklären:

Die ersten aufkommenden Bewegungen in Deutschland war in den 80er-Jahren in der sich ökologische, feministische, naturreligiöse und okkult-magische Anliegen. In den 90er Jahren erlebte die Hexerei eine neue Konjunktur. Es kam zu einer höheren Popularität durch die Sehnsucht nach individualisierten, erlebnisintensiven, naturnahen Religion. Das Wissen, die Praxisritualen und die Lehren sind heutzutage nicht mehr geheim da es verstärkt durch Bücher und Internet weit verbreitet wurde. Dies stört vielen Anhängern der Szene.

2 Kommentare

  1. Pingback: CALLING ALL WITCHES « proletkult

  2. Ich LIEBE diesen Film! Er ist einfach genial und genau das richtige wenn es mal einfach „Unterhaltung“ sein darf.

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