UNE FEMME EST UNE FEMME [1962] II

Noch ein Grund, warum mir Anna Karina von allen Frauen in Godards Filmen am liebsten gefällt ist ihr Kleidungsstil. Auch wenn man selten genau weiß, was von den Kostümen in einem Film wem gutgeschrieben werden darf, denke ich, dass Karina – zumindest in den Filmen Godards – ihren eigenen Stil durchsetzte, da sie ihn auch privat in dieser Weise zu pflegen schien. Ich glaube, dass die Kostümbildnerin in UNE FEMME EST UNE FEMME nicht mal im Abspann benannt wird, aber wie ich grade gelesen habe war es Jacqueline Moreau, die auch die Kostüme für den wunderbaren Film LES DEMOISELLE DES ROCHEFORTentwarf.Obwohl Karina in UNE FEMME EST UNE FEMME gerade mal fünf Kostümwechsel hat (mit der kurzen Bademantel-Szene wären es sechs), hat er sich modisch ziemlich fest in das kollektive Gedächtnis verankert („kollektives Gedächtnis“ benutze ich ziemlich gern, fällt mir so auf…). Das hat einerseits sicher mit der Farbenpracht zu tun, die Godard in seinen (früheren) Filmen pflegte. Dominierend waren die vier Grundfarben Blau, Rot, Grün und Gelb, in diesem Film vor allem die ersten beiden. Nun ist die Farbsymbolik so allgemein und teilweise widersprüchlig, dass man hier nach Belieben selbst entscheiden kann, wofür die so akribisch gesetzten Farben im Film stehen sollen. Sicher macht der Blau-Rot-Kontrast optisch schon was her, vor allem vor dem weißen Hintergrund der Wandfarbe in der Wohnung des Pärchens. Aber im Film ist selten etwas zufällig, auch in einem Nouvelle-Vague-Film.

Filmtext interpretierte es zum Beispiel so: „Etwa der gekonnte Einsatz der Farben Rot und Blau zur Verfremdung und Ironisierung emotionaler Zustände – wie auch später in „Le Mepris“ zu bestaunen.“
Irgendwo las ich auch, dass Blau Weiß Rot einfach für die französische Nationalflagge stehen sollen, was ich kaum glaube, auch wenn Jean-Paul Belmondo hier in einer Szene die Flagge als Armbinde trägt und Godard-Filme oft einen gewissen Lebensstil repräsentieren oder parodieren, was aber eher dem amerikanischen als dem französischen entspricht.

Wenn wir schon dabei sind, können wir ja auch noch behaupten, dass der Blau-Rot-Kontrast für das männliche und das weibliche Geschlecht steht, aber wo sind wir denn hier!

Nein, eigentlich geht es nur darum, dass Anna Karina entzückend aussieht! Und was vor allem auffällt ist ihre Frisur, die in jedem Film ganz anders und sehr eigen ist! Der Pony ist bei Karina obligatorisch, aber hier trägt sie den Rest der Haare romantisch gewellt und oft hochgesteckt. Und manchmal – passend zu der kindlichen Art ihrer Rolle – verwendet sie kleine Schleifen, Haarreifen oder bindet die Haare zu zwei hohen Pferdeschwänzen, wie ein Püppchen.






Illustrationen von ree*rosee

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