WHAT EVER HAPPENED TO BABY JANE? [1962]

Es gibt doch nichts über einen guten, morbiden Horrorfilm! Sehr SUNSET-BOULVEVARD– mäßig zeigt uns WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE?, nun ja, was mit Baby Jane geschah, einem ehemals gefeierten Kinderstar.



Nämlich ein vergessener Stern am Hollywood-Himmel. Ihre Schwester Blanche wäre dagegen wohl noch immer erfolgreich im Filmgeschäft, hätte die eifersüchtige Jane sie nicht fahrlässig angefahren und sie damit für immer ans Rollstuhl gefesselt. Tja, und wer wäre besser für die Rollen dieser zwei fast vergessenen Filmstars geeignet, als zwei fast vergessene Filmstars?


Joan Crawford und Bette Davis, die – mal in klischeehafter Boulverad-Presse-Sprache ausgedrückt – ihre beste Zeit schon hinter sich hatten, verkörpern die rivalisierenden Schwestern ganz ausgezeichnet, auch wenn mir die Rolle der ewig gutmütigen Blanche (jetzt leuchtet mir schlagartig die Anspielung ihres Namens ein) manchmal auf die Nerven geht. Sowieso bin ich ein großer Bette-Davis-Fan und dieser sprichtwörtliche Mut zur Hässlichkeit, den sie hier nicht zum ersten Mal bewies, spricht mich unglaublich an.





So makaber Puppen sind, mit ihren Ringellöckchen, den großen Augen und Spitzenkleidern, so makaber ist auch die altgewordene Jane, ich finde da besteht schon fast kein Unterschied. Eine ewig-lächelnde Shirley Temple finde ich genauso gruselig.



Großartig wie direktes Licht hier als Gruselelement verwendet und bei Bette Davis so einfach jede Falte rausgekitzelt wird.


Hier liegen Entzücken und Grusel auch ganz nah beieinander. Wenn ich einer alten Frau begegne, die sich ihren besten Schmuck auflegt und ihre schönsten Kleider trägt und vielleicht eine Perrücke, einen Hut und sich Lippen aufmalt, wo schon gar keine mehr sind… Man kann erahnen, wie sie wohl mal ausgesehen haben mag, aber unter diesen Umständen wirkt die Aufmachung skurril, es ist wie eine gnadenlose Konfrontation mit der Vergänglichkeit. Es ist irgendwie süß, aber auch traurig…



Wie liebevoll sie sich frisiert hat.




Diese Puppen-Silhouette!


„I’ve written a letter to Daddy“







Und selbst in größter Not sieht Joan Crawford noch schön aus, während aus den Augen von Bette Davis der Wahnsinn spricht. Zwei völlig verschiedene Rollen, die sich einfach nicht miteinander vergleichen lassen können.




Gott, gibt es jemanden, der diese Emotionssprünge so unglaublich gut darstellen kann? Wie sie in einem Moment von der Realität erfasst zu sein scheint und von völliger Verwirrung und Ängstlichkeit ergriffen wird und dann wieder in einer ganz anderen Welt geflüchtet zu sein scheint, in der die kleine Jane noch immer klein ist und geliebt wird und alles ist schön.





(Ich konnte nicht anders, hier ein kleiner Ausflug in die Bademode der frühen Sechziger…)

Mit dem Echo des Titelliedes und größtem Erfolg von Baby Jane „I’ve written a letter to Daddy“ (unbedingt hören!) endet dieser wohlig-gruselige Schauer. Wirklich ein lieblicher Film!
Ganz entzückend finde ich übrigens auch die Neuinterpretation von Sea of Shoes, die sich auch ein passendes Puppen-Alter-Ego mit roten Haaren aussuchte:

2 Kommentare

  1. Pingback: ALL ABOUT EVE [1950] « proletkult

  2. Pingback: WILD AT HEART [1990] | proletkult

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: