CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO [1981] II

„Vom Drogenopfer zum Drogenstar“ betitelte der Spiegel einst den Werdegang Christane Felscherinows. Es ist bizarr, dass Christianes Geschichte als Abschreckung dienen soll, gleichzeitig aber eine solch anziehende Wirkung ausübt. Und es muss wieder die Tat der Schönheit sein, die uns so täuscht. Wir lesen von Christianes Erlebnissen und Erfahrungen und ekeln uns vor den Details und dann sehen wir uns plötzlich Bilder und Videoaufnahmen vom selben Mädchen an, sehen die großen Augen, den unschuldigen Gesichtsausdruck, die vollen Lippen… und wir staunen darüber, dass dieses „Drogenopfer“ nicht unseren Vorstellungen eines Opfers entspricht!
Nur zwei, drei Jahre nach der Veröffentlichung der Reportage durch den Spiegel verfilmt Uli Edel die Geschichte mit Natja Brunckhorst in der Rolle der Christiane F.. Er zeigt trostlose, aber poetische Bilder von West-Berlin, thematisiert Gefühle, die allen Jugendlichen nur zu bekannt sind, ob mit oder ohne Drogen, und schmückt das ganze auch noch der wundervollen Musik eines Gottes (ja ja, ich bin Bowie-Fan, erschießt mich) und hippen Kostümen. Und da soll man versuchen, den Film nicht zu hypen? Ich kann nicht, ich liebe den Film und liebe seine düstere Atmosphäre und liebe Natja Brunckhorst mit ihren langen, glatten Haaren und den noch längeren, schlacksigen Beinen…

Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem Look der Christiane aus dem Film und dem der realen Christiane. Dahinter steckte Myrella Bordt, von der ich leider nicht mehr erfahren kann, als dass sie mit dem ehemaligen Leichtathlet Edwin Moses liiert ist. Während die wahre Christiane einen Hang zum Punk pflegte, wird ihr Stil im Film romantischer und viel kindlicher dargestellt. Ihre engen Jeans betonen ihren kindlichen Körper, ihre langen Haare wirken fast engelhaft und für ihren omnipräsenten Beutel mit den flachen Schuhen darin, damit Mami nicht merkt, dass sie Absätze trägt, dafür möchte man sie am liebsten küssen!

An ihrem 14.Geburtstag färbt sich Christiane im Film die Haare rot. Ein gutes filmisches Mittel einerseits, um mit Hilfe der Ansatzlänge darzustellen, wieviel Zeit vergangen ist. Oder das Verblassen des Rots als Darstellung des Verblassens der anfänglichen Euphorie. Aber auch der Przess der Veränderung an sich. Für Christiane beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wenn auch ein fragwürdiger, aber sie ist verliebt (oh, rot!) und fühlt sich erwachsen und kann ihre Haare nun verändern, wie sie es will! Auch im realen Leben vollzog sich Christiane einer haarigen Veränderung: eine Seitenrasur (siehe Bilder ganz unten). Und auch hier wird wieder der stilistische Unterschied zwischen Punk (reale Christiane) und Romantik (fiktive Christiane) deutlich hervorgehoben.



Weniger filmisch bedeutend, aber genauso cool sind die Jacken, die Christiane im Film trägt. Dazu fällt mir nicht viel ein, ich find einfach nur jede einzelne toll und muss sicher nicht betonen, wie sehr ich ihre Bowie-Jacke haben will!

Weil offenbar die gesamte Berliner Drogenszene stylisch war (ich sag ja, bizarr), hier noch ein paar Bilder von Detlef, Babsi und den anderen Weggefährten Christianes:


CHRISTIANE FELSCHERINOW

Ein Kommentar

  1. Nico

    Sehr schöner Beitrag :)!

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