THE BREAKFAST CLUB [1985]

Fünf Teenager, die an einem Samstag Morgen dazu verdammt sind, 8 Stunden und 45 Minuten lang nachzusitzen und darüber nachzudenken, wer sie sind. Nicht ganz einfach, wenn diese fünf Schüler sich bisher aus dem Weg gingen und nun auf engstem Raum zusammengepfercht werden, sich selbst überlassen. Und noch kopmlizierter wird es, wenn sie alle einem anderen Stereotyp entsprechen, wenn jeder aus einer anderen Schublade kommt.


Ich auch nicht. Brenda auch nicht.

Samstag, der 24.März 1984. Shermer High School, Shermer Illinois, 60062

 

Sehr geehrter Mr. Vernon,
wir akzeptieren die Tatsache, dass wir einen ganzen Samstag für all das, was wir falsch gemacht haben, nachsitzen müssen. Was wir gemacht haben, war verkehrt. Aber wir halten Sie für verrückt, wenn Sie uns einen Aufsatz schreiben lassen darüber, wer wir sind. Was interessiert Sie das? Sie sehen uns so, wie Sie uns sehen wollen. In einfachen Worten, hier Ihre Definiton von uns:
Sie sehen in uns einen Schlaukopf, einen Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und einen Freak. Stimmt das so?
Diese Einschätzung hatten Sie, als wir uns heute Morgen trafen. Wir haben eine Gehirnwäsche bekommen.

Nach SIXTEEN CANDLES [DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER] und vor PRETTY IN PINK verwirklichte John Hughes endlich sein Projekt über den FRÜHSTÜCKSCLUB, einer Gruppe von verschiedensten Schülern, die sich beim Nachsitzen näher kommen und dadurch auch zu sich selbst finden. Vielleicht ist das der berühmteste Film von Hughes und seinem Brat Pack. Die fünf Jugendlichen stellen immerhin einige Identifikationsfiguren dar, wenn auch ziemlich klischeehaft und (gewollt) übertrieben. So wie die Schüler untereinander Vorurteile pflegen und sich in einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen, sollen auch wir sie für die Freaks, die Prinzessinnen oder die Athleten unserer Jugendzeit halten. Und wie sieht man jemandem an, wie er ist und wo er hingehört? Richtig, durch die Kleidung. Alle fünf Figuren fühlen sich innerhalb ihrer Gruppe wohl, drücken zumindest bewusst aus, wen sie verkörpern wollen.
Hier kann man sich fragen, wie weit diese Expression in der Realität aussehen würde. Klar, die reiche Prinzessin trägt teure und aktuelle Kleidung, sie kann es sich ja leisten. Der Streber ist viel zu beschäftigt mit dem Lernen, als dass er sich Gedanken um seinen Stil machen könnte. Der Sportler braucht Bewegung und Prestige, betont seinen mühselig geformten Körper und ist mit seinen neuesten Sneakers natürlich immer auf Zack. Der Verbrecher hat sich seine Garderobe womöglich zusammengeklaut, besitzt aber – natürlich hat er eine verkannte, sensible Künstlerseele – reichlich Kreativität, um diese so „anders“ wie möglich zu tragen und bestenfalls etwas Neues zu schaffen. Die Ausgeflippte ist sowieso gegen alles und jeden. Eine Einzelgängerin ohne Moral und den dunklen Mächten verfallen. Grelle Farben tun ihr weh, um unsichtbar zu bleiben, bedient sie sich nur dunklen Farben. Und jetzt überlege ich natürlich, ob das so auch an meiner Schule war. Die Antwort könnt Ihr Euch ja denken.
Dennoch wird in BREAKFAST CLUB diese Kleidersprache gesprochen und wir alle können sie verstehen. Wir sehen John Bender in seinem rebellischen Kostüm und kaufen ihm jede Geste ab. Allison in Schwarz macht uns auch Angst und Brian wirkt in seinen alten Klamotten so unschuldig, dass wir über seinen versuchten Selbstmord (oder sollte es ein Attentat werden?) nur lachen können. Kostümbildnerin Marilyn Vance weiß, dass nirgends die Grenzen strenger gezogen werden, als in Schulzeiten und weiß auch, wie sie diese verschiedenen Gruppen darstellen kann. Allein die Tatsache, dass der Nerd hier mal keine Brille oder Hosenträger trägt, zeigt schon, dass sie nicht bloß einen weiteren Abklatsch von Stereotypen geschaffen hat, sondern sich lediglich davon hat inspirieren lassen. Die größte Meisterleistung aber ist wohl ihre Farbwahl bezüglich der Kostüme. So subtil, dass wir es kaum merken, aber die Farbsymbolik hat uns doch in ihrer Hand. Was assoziieren wir mit einem zarten Rosa? Wer bevorzugt bekanntlich Grün? Wie frisch wirkt ein leuchtendes Blau? Schwarz ist bekanntlich dunkel, sehr dunkel! Und Rot stand schon immer für Leidenschaft aber auch Aggression. Man, besser kann man Charaktere doch wohl nicht darstellen, oder?!
Die ganze Story spielt an einem einzigen Tag, jede Figur (außer Allison), trägt nur ein Outfit:

Claire Standish [Molly Ringwald]

Molly Ringwald hat hier sicher wieder ihren eigenen Stil eingebracht, mit dem sie uns auch in den anderen Hughes-Filmen entzückte. Spitze scheint dabei ihr liebstes Element zu sein. Die klobigen, braunen Lederstiefel und die Oversize-Lederjacke holt sie mit dem zarten Rosa ihres Oberteils und dem Spitzenhalstuch fabelhaft wieder runter. Den langen Wickelrock hat sie mit zwei Gürtel um die Taille befestigt und mit ihrem hellbraunen Nagellack bleibt sie bei der Farbpalette. Ich bin ja ein ganz großer Fan ihrer roten Haare und dem kurzen Haarschnitt. Außerdem gefällen mir natürlich auch ihre hochgekrempelten Ärmel. Weil Mode ja auch immer Lifestyle ist, wird das Prinzessinnenklischee hier auch an anderer Stelle gepflegt: Claire muss nachsitzen, weil sie die Schule geschwänzt hat, um shoppen zu gehen. Und als alle gemeinsam essen packt sie ihr Lunchpaket aus: Sushi.

Brian Johnson [Anthony Michael Hall]

Man köönte ja meinen, der Streber wäre am langweiligsten angezogen, aber da hat sich die Kostümbildnerin wohl einen Spaß mit uns erlaubt. Brian ist verdammt stylisch! Das Tannengrün seines Pullovers harmoniert so schön mit der beigen Hose und die zwei verschieden-farbigen Socken die Krönung! Die schwarze Ray Ban ist zwar nur geliehen, aber schaut Euch mal seinen feschen Pullover genauer an! Irre ich mich, oder ist der falsch rum? Der Stoff von solchen Pullovern ist doch meistens auf der Innenseite so körnig und von den Nähten ganz zu schweigen. Entweder der gute Brian ist also ein kleiner Verpeiler oder er hat sich diesen Wrong-Side-Pulli mit voller Absicht und aus reinem Stilgefühl zugegzogen. Man weiß es nicht.

Andrew Clark [Emilio Estevez]

Andrew ist jung und knackig und hofft auf ein Sportstipendium. Seine Kleidung ist fast ausschließlich gesponsert. Zumindest sind die größten Sportmarken vertreten. Ein schönes Muscleshirt für seine strammen Arme und drüber die Schuljacke mit seinem Namen gestickt. Stark.

Allison Reynolds [Ally Sheedy]

Allison kann sich nicht genug verstecken. Hinter schwarzen Kajalaugen, hinter ihrer Haarpracht, hinter dunklen Farben und tausenden von Lagen. Wieso tragen Alternative immer abgelatschte Chucks? Egal. Ich find den Film eigentlich ziemlich gut, aber die Umwandlung, der Allison sich am Ende hingibt, ärgert mich jedes Mal. Während vorher noch die Botschaft vermittelt wird, dass alle gleich sein sollen, heißt es hier plötzlich, dass die Verrückte ihre Lovestory nur kriegt, wenn sie sich brav anpasst. Ok, man kann sie plötzlich „sehen“, was Allison sich ja auch immer heimlich wünschte, mit ihrer Kleidung aber nur das Gegenteil erreichte. Dennoch will dieser brave Look ganz und gar nicht zu ihr passen. Außerdem, wo kommt plötzlich dieses weiße Spitzenoberteil her? Und die Augenbrauenbürste, die Claire für das Umstyling bei Allison verwendet, hat einige Stunden zuvor noch Bender als Zahnbürste benutzt. Hahaha!

John Bender [Judd Nelson]

Bender ist und bleibt der Beste! Sein Outfit ist unvergesslich, noch vor Johnny Deppp betörte er uns mit seinem Messi-Look! Highlight ist wohl das Tuch, das er sich um einen Stiefel gebunden hat. Aber auch der Materialmix: Die Handschuhe mit den Lederstiefeln, das Holzfällerhemd mit der Jeansjacke und da drüber der lange Tweedmantel und der biedere Schal. Wusstet Ihr, dass er als Inspirationsquelle für Bender aus FUTURAMA diente? Und Barts berühmter Spruch „Eat my Shorts“ stammt auch von ihm. Oder wie die deutsche Übersetzung uns weiszumachen versucht: „Kauen Sie meine Unterhosen!“:D Matt Groening scheint auch ein Fan zu sein!

Schulrektor Richard Vernon [Paul Gleason] und Hausmeister Carl [John Kapelos]


Sehr geehrter Mr. Vernon,

wir akzeptieren die Tatsache, dass wir einen ganzen Samstag für all das, was wir falsch gemacht haben, nachsitzen mussten. Was wir gemacht haben, war verkehrt. Aber wir halten Sie für verrückt, wenn Sie uns einen Aufsatz schreiben lassen darüber, wer wir sind. Was interessiert Sie das? Sie sehen uns so, wie Sie uns sehen wollen, in einfachen Worten. Nun das, was wir über uns herausgefunden haben:
Jeder von uns ist ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak. Beantwortet das Ihre Frage?

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Breakfast Club

P.S.: Schon mal aufgefallen, dass es in allen Brat-Pack-John-Huston-Filmen keine einzigen Farbigen oder Asiaten gibt? Außer Gedde Watanbe in SIXTEEN CANDLES? Das und mehr über die Hughes-Filme könnt ihr in diesem spannenden Artikel lesen. Crazy.

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