PRETTY IN PINK [1986]

Das John Hughes in den 80ern ein paar schnieke Filme geschrieben und produziert hat, wissen wir. Auch dass sie meistens von Jugendlichen mit ihren jugendlichen Problemen handelten. Mit diesen Filmen verhalf er dem Brat Pack nicht nur zu zeitweiligem Ruhm, sondern machte sie auch zu zeitlosen Stilikonen. Denn auch wenn wenige von ihnen über diesen Filmen hinaus Erfolg hatten, kennen wir heute (wenn schon nicht ihre Namen, dann doch wenigstens) ihre schrägen Filmoutfits, die für ein ganzes Jahrzehnt stehen.
Für den Stil der Hughes-Klassiker THE BREAKFAST CLUB [DER FRÜHSTÜCKSCLUB], FERRIS BUELLER’S DAY OFF [FERRIS MACHT BLAU] oder PRETTY IN PINK war eine besondere Frau zuständig. Kostümbildnerin Marilyn Vance, die schon für PRETTY WOMAN einen unvergessenen Look kreierte, griff für ihre Filme aktuelle Trends auf und schaffte einen neuen Stereotyp: den stylischen amerikanischen Teenager der 80er Jahre. Hier in einem kurzen Clip bei ihrer Arbeit zu sehen, führte sie auch als erste das Product-Placement in die Welt des Kostümiblds ein, indem sie bewusst Designerstücke verwendete. Auf Frothy Girlz stellte eine Bloggerin zehn Gründe zusammen, warum sie die Kleidung in John Hughes Filmen liebt. Und damit starte ich den ersten Teil meiner Hughes-Reihe mit meinem Favoriten: PRETTY IN PINK.
Die Story ist schnell erzählt: Andie lebt mit ihrem Vater in bescheidenen Verhältnissen und lernt den reichen Blane aus ihrer Highschool kennen, der sie auch zum Abschlussball einlädt. Ihr bester Freund Duckie steht aber nun auch auf sie und findet das gar nicht cool, dass Andie mit einem Richie ausgeht. Und weil solche unterschiedlichen sozialen Verhältnisse nicht leicht zu überwinden sind, muss Andie vorläufig alleine auf den Ball. Vorläufig.
Wie ich diese Anfangsszenen liebe, in denen erstmal in Detailaufnahmen die Ankleideprozedur gezeigt wird. Man sieht so viele stylische Elemente, tolle Unterwäsche zum Beispiel, die ja nachher für uns nicht sichtbar ist oder wie sorgfältig die Dame ihr Make-up aufträgt und sich frisiert (die weibliche Form schließt die männliche mit ein. Ich erinnere nur mal an SCHINDLER’S LIST, in der Oskar Schindler sich so gepflegt rasiert und anzieht, mmmh…) und am Ende sehen wir das entzückende Gesamtbild. Über Andie erfahren wir hier zumindest schonmal, dass sie fesche Socken trägt. Und eine große Sammlung an Modeschmuck hat!

ANDIE [Molly Ringwald]

Während Andie mit ihren Secondhand- und selbstgeschneiderten Teilen für mich eine Heldin ist, muss sie sich von ihren reicheren Mitschülern abfällige Kommentare anhören. Alles Neid. Denn Andie, die in jeder freien Minute zeichnet, ist mit ihrer Kreativität wohl die stylischste Schülerin ihrer Highschool. Ihr Stil ist romantisch, manchmal etwas punkig und immer irgendwie ein bisschen Omi. Blumenmuster kombiniert sie gekonnt mit Spitze, eine schrille Bomberjacke holt sie mit zartem Rosa wieder runter. Lange Röcke peppt sie mit Taillengürteln und Printstrümpfen auf und ihre Hüte bekommen mit einem Seidentuch das letzte Finish. Natürlich sind das beste an ihr ihre roten Haare. Und das süßeste Accessoire sind wohl ihre Blumenohrringe, die man auch heute noch in jedem zweiten Antik- oder Vintageladen findet.



Der Titel des Films ist nach ihrem Abschlusskleid benannt. Andie, die sich ein neues Kleid gar nicht leisten könnte, schneidert sich ein eigenes Exemplar aus dem Abschlusskleid ihrer besten Freundin Iona und dem, was ihr ihr Vater günstig besorgt hat. „It was supposed to capture the individuality of who Molly was in the film“, sagte Kostümbildnerin Marilyn Vance dazu. Das gepunktete pinke Kleid aus Satin, mit seinen offenen Schultern und dem Spitzenkragen finde ich persönlich allerdings ganz schön ugly. Zu ihrem bisherigen Stil passt es definiv, aber die unförmige Silhouette, dazu dieses Altrosa mit ihren kupfernen Haaren… Und normalerweise, wenn ich jemanden stylisch finde, vergöttere ich auch das noch so hässlichste Outfit (wie bei den Olsens, bei denen ich wohl sogar ihre Pyjamas super-stylisch finden würde), aber hier kann ich mir nicht helfen. Naja, Namensgeber des Films und die Nebenfiguren teilen meine Meinung nicht und sind ganz hin und weg von Andie. Eine Ganzkörperaufnahme konnte ich leider nicht erstellen oder finden. Das Kleid geht grade runter und endet knapp unter den Knien. Dazu trägt sie weiße, spitze Schuhe mit flachem Absatz. Jetz will ich aber wissen, was Ihr davon haltet!

Nur zum Vergleich hab ich mal ein paar der anderen Schülerinnen auf dem Ball gescreenshottet. Und ok, bei den ganzen Rüschenmonstern sticht ihr Kleid schon irgendwie heraus. Dennoch entdecke ich da einige hübschere Exemplare:

DUCKIE [Jon Cryer]

Andies super-stylischer bester Freund Philip Dale aka Duckie aka The Duckman ist tatsächlich Jon Cryer, der spießige Alan aus TWO AND A HALF MAN! Erst als ich PRETTY IN PINK neulich wieder sah, fiel mir das auf und ich muss sagen, dass ich jetzt unsterblich in ihn verliebt bin! Natürlich kommt er auf meiner Liste ganz weit hinten hinter Joaquin Phoenix und John Malkovich, aber bei diesem Babyface gepaart mit der sexy Tolle und den abgefahrenen Klamotten, da muss man den Duckman lieben!
Auch Duckie ist nicht mit reichen Eltern gesegnet (lol), träumt nur im Gegensatz zu Andie nicht von einem sozialen Aufstieg, sondern verabscheut ganz 80s-like die Richies und Yuppies. Seine Outfits sind nie simpel, sondern strotzen nur so von Accessoires und Details! Seine Nickelbrille ist omnipräsent, genauso wie der wilde Mustermix. Seine Schuhen wechseln zwischen Chucks und weißen, spitzen Schuhen (siehe ganz unten auf der Duckie-Outfit-Collage), die mich stark an die studded Ankleboots von Chloé erinnern! Und leider konnte ich nicht rausfinden, was er da an seinem Hut befestigt hat. Irgendwie sieht es aus wie eine Ansichtskarte. Naja. Die wohl beste Szene von ihm ist gleichzeitig auch einer meiner liebsten Szenen der Filmgeschichte. Seine Otis Redding Performance. Schaut:



IONA [Annie Potts]

Applause, applause, APPLAUSE! Iona ist die knapp fünfzehn Jahre ältere Chefin von Andie aus dem Plattenladen. Sie ist der Inbegriff von Coolness, schrill aber elegant und immer over the top. Nicht nur, dass sie Andie stets mit ihrer Lebenserfahrung zur Seite steht, darüber hinaus inspiriert sie auch immer mit ihren abgefahrenen Outfits. Dabei scheint jedes einem Motto zu unterstehen, das sie von oben bis unten hin erfüllt. Haarteile und Perrücken da selbstverständlich dazu. Ganz unten sieht ihr sie in ihrem alten Abschlussball-Outfit. Das Kleid schenkt sie später Andie für dessen eigenen Ball. Mein Lieblingsoutfit ist das mit dem Haarnetz, in dem sie durch die Löcher einige Haar rausgezupft hat. An der Stirn stehen ein paar Haare wie Federn ab, ihre Nägel sind bunt lackiert und die Rot-Schwarz-Kombo sieht wohl nur an ihr so gut aus. Ich würde gern wissen, wieviel hier von Annie Potts selbst kam, die auch in ihren anderen Filmen mit ihren Outfits glänzte. Kleine Randinfo: Für die Rolle der Iona war eigentlich Anjelica Houston, die aber zu dieser Zeit an einem anderen Film arbeitete. Glück für Annie, die John Hughes in GHOSTBUSTERS sah.

THE RICHIE – BLANE [Andrew McCarthy]

Blanes Kleidungsstil ist zwar schlicht, aber typisch Richie: Pastelltöne, feine Materialien, Sunnyboy-Frisur… Auf den mittleren zwei Bildern seht Ihr die kurze Szene, in der er Andie auf der zwielichtigen Seite des Schulhofs besucht. Ein Ort, in dem er zwischen den ganzen Alternativen ziemlich unpassend wirkt. Und sich anscheinend auch nicht ganz wohl fühlt. Aber Blane ist ein Süßer und hat genauso wie Andie die Vorurteile gegen Arm und Reich satt.

THE RICHIE – STEFF [James Spader]

Blanes bester Freund Steff [der Darsteller James Spader war zur Drehzeit 25 Jahre alt) ist stolz auf seinen sozialen Stand und der Meinung alles im Leben mit Geld erkaufen zu können. Der Macho hat sich den Miami-Vice-Stil anscheinend sehr zu eigen gemacht und liebt es luftig: Seine Hemden sind oft bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, zu seinen Loafers verzichtet er auf Socken und seine Kleidung scheint ausschließlich aus Leinen zu bestehen. Und dazu perfekt gebürstete Haare.
Weil Andie das einzige Mädchen zu sein scheint, die nicht auf seinen schmierigen Charme reinfällt, versucht er Blane einzureden, sich nicht weiter mit ihr einzulassen. Penner.

BENNY [Kate Vernon]

Benny ist natürlich mit keinem anderen als mit Steff zusammen. In ihren wenigen Auftritten, in denen sie versucht Andie das Leben schwer zu machen, sehen wir sie mit langweiligen Klamotten in Pastell, hochgeklapptem Kragen oder manchmal auch in BH und Blazer. Dazu ihr gebleachtes Haar im Kontrast zu ihrer Bräune und fertig ist das attraktive Miststück.

JENA [Alexa Kenin]

Jena kommt im Film leider auch viel zu kurz vor. Ähnlich wie Iona unterstützt sie Andie mit ihrer Coolness und schreckt vor nichts zurück. Ihr karierter Blazer und die neongelbe Spange im Haar bleiben auf jedenfall in Erinnerung. Traurigerweise starb die Darstellerin Alexa Kenin nur kurze Zeit nach den Dreharbeiten in ihrem Appartement, wahrscheinlich von einem Fan erschlagen (oder ihrem Ex-Freund, der Fall konnte nicht geklärt werden). PRETTY IN PINK ist der 23-jährigen gewidmet worden.

Und zuletzt ein paar Statisten

Wer ein Faible für Teenie-Filme allgemein hat, findet auf Hollywood Teenmovies eine Liste mit den Filmen von den 60ern bis heute. Und für Fans gibt es noch ein paar fabelhafte Shirts zu bestellen. Leider ist das beste davon schon ausverkauft, das I♥DUCKY Shirt. Dafür gibt es aber eines mit der Aufschrift I would’ve picked Duckie. Im eigentlichen Filmende sollte Andie schließlich mit Duckie zusammenkommen, was dem Testpublikum aber gar nicht gefiel! Um nicht zu vermitteln, dass Menschen aus unterschiedlichen Verhältnissen nicht zusammen sein können, wurde das neue Ende nachgedreht. Dazu musste Andrew McCarthy (Blane) übrigens eine Perrücke tragen, weil er zu diesem Zeitpunkt seine Mähne schon für einen anderen Film abrasiert hatte.

Ein Kommentar

  1. Pingback: WHO’S THAT GIRL [1987] « proletkult

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