CLEOPATRA [1963]

Mein letzter Post sollte eigentlich nur als Einführung für diesen hier dienen: der Look von CLEOPATRA mit Elizabeth Taylor.
Zu lange ist es her, dass ich mir das Epos anschaute. Wie oft ich schon die DVD bei Büchereien hab rumliegen sehen und immer wieder ausleihte aber nie guckte. Die Länge des Films schreckte mich einfach immer wieder davon ab, denn die DVD-Fassung beträgt etwa vier Stunden (und die gedachte Originalfassung noch eine weitere dazu). Weil ich aber Liz Taylors Kostüme und Make-Up nie vergessen konnte, wollte ich das alles unbedingt nochmal festhalten und hier mit Euch teilen.
Kostümbildnerin Renié scheint, wenn man sich ihre Filmografie mal anschaut, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zwar sehr erfahren gewesen zu sein, arbeitete aber an keiner ähnlich großen Produktion. Und mit einem verschlungenen Budget von (heute umgerechnet) 300 Millionen US-Dollar war die Produktion von CLEOPATRA in der Tat groß. Der Versuch das Alte Ägypten und Rom pompös nachzubauen, wirkte sich natürlich auf die Kosten aus. Nicht weniger aufwendig waren die detaillreichen Kostüme für Hauptdarsteller und die zahlreichen Komparsen. Legendär sind die Anschuldigungen auf Liz Taylor, die während der Dreharbeiten zweimal schwer erkrankte, woraufhin sich die Dreharbeiten über Monate hinweg verzögerten. 20th Century Fox litt finanziell schwer unter diesem Film, auch wenn er sich nach einigen Jahren amortisierte.
Doch neben dem finanziellen Zirkus spielte auch die Romanze zwischen Elizabeth Taylor und Richard Burton – beide zum Zeitpunkt der Dreharbeiten verheiratet – eine große Rolle in der damaligen Presse. Es regnete öffentliche Kritik vom Vatikan, von US-Politikern und klatschhungrigen Bürgern. Rückblickend kann ihre betonte Verachtung gegenüber den gesellschaftlichen Konventionen sehr wohl als sexuelle Revolution angesehen werden. Dieser „Skandal“ erinnert doch irgendwie an die ähnliche Situation zwischen Angelina Jolie – die ja als neue Kleopatra-Kandidatin zur Wahl steht – und Brad Pitt während der Dreharbeiten zu MR. & MRS. SMITH
Genug der Randnotizen, widmen wir uns Reniés und Vittorio Nino Novareses (Männerkostüme) Arbeit:

Kleopatras erster Auftritt im Film: Eingerollt in einem Teppich lässt sie sich heimlich zu Julius Caesar bringen.

Ihre Kostüme beginnen recht schlicht – wenig Schmuck und eine schlichte Perrücke, also ohne besonderer Flechtkunst.

Manchmal sieht Kleopatra mehr wie eine Elizabeth Taylor aus…
Das blaue Cape überm roten Kleid finde ich toll! Die schwarzweiß gestreifte Verbindung vorne und die lange Kapuze sind wirklich trés chic!


Noch mehr Capes und Kopftücher.

Dieser dreifache Stufen-Haarschnitt ist echt geil!
Das weiße Gewand oben mit der Hochsteckfrisur trägt sie auf einem Fest, in dem sie Marcus Antonius geschickt verführen wird: erst füllt sie ihn ab, dann lässt sie einen Double ihn verrückt machen… Ihre „Kette“ ist aus Goldmünzen hergestellt, die ein Bild von ihrem verstorbenen Mann Julius Caesar als Prägung enthalten – sie gibt vor, diese Kette immer zu tragen und macht damit Marc Anton nur noch verrückter. Kluge Frau!


Meine liebsten Perrücken sind aufwendig geflechtet und geschmückt.

Dieser Schlangenaufsatz fürs Haar ist der Hammer! Und Smaragdgrün steht Liz Taylor ganz besonders!

Das ist Kleopatras Nachgarderobe. Süße Frisur.

Kurze Auftritte für diese Kostüme.

Die zwei Wischmob-Perrücken. Im zitronengelben Kleid sieht Taylor aus wie eine Göttin! Beim zweiten Look ist die Kette ein Traum!

KLEOPATRAS EINZUG IN ROM

Mit viel Tam Tam marschiert Kleopatra mit ihrem Sohn in Rom ein. Neben exotischen Tänzen, Musik und einer Art Feuerwerk gibt es auch viel nackte Haut. War ja nichts ungewöhnliches für die alten Ägypter…


Auf einer riesigen Pharaonen-Statue lässt sie sich von zahlreichen Sklaven zu Caesar ziehen.

Für ihr römisches Date wählte sie also dieses schlichte Outfit…

…da können die römischen First Ladies nichts tun als blöd gucken!



Zu offiziellen Anlässen trägt Kleopatra natürlich stets eine Krone. Hier unten eine kleine Fachkunde:



Das Kostüm, das sie zu ihrem Einzug in Rom trug, ist auch das, das sie im Film nach ihrem Tod trägt.

Diese Kostüme haben es nicht in die offizielle Filmversion geschafft. Dabei finde ich gerade die Perrücke und den Schmuck ihres Outfits oben links so toll, das so ähnlich nicht im Film vorkommt.

UND NOCH EIN PAAR HIGHLIGHTS

Schicke Farbkombis (Marc Antons Leo + Türkis + Gold ist ganz wundervoll!), Tanzkostüme, römische Togen und ein asiatischer Kimono, den Kleopatras Vorkosterin trägt.

BEAUTY

Natürlich wird eine Königin verwöhnt! Hinter so einer Schönheit steckt ja auch ein bisschen Arbeit und so hat Kleopatra eine große Gefolgschaft von Frauen, die sich um ihr Äußeres kümmern. Hier Kleopatra bei der Maniküre.

Links ein paar Perrücken, rechts irgendwelche Flüssigkeiten. Sieht aus wie ein chemischen Labor, ich glaub aber, das sind bloß Duftöle.

Im Alten Ägypten gab es schon früh eine hochentwickelte Kosmetikindustrie. Das damalige Schönheitsideal ist uns überliefert: „Ein Kopf mit feinen Zügen, großen, ausdrucksvollen Augen und langen schwarzen Haaren sitzt auf langem, zierlichem Hals auf einem sehr schlanken Körper, dem äußerst schmale Hand- und Fußgelenke und lange graziöse Finger entsprechen; Brüste, Schamdreieck und mäßig schwellende Hüften werden keineswegs verborgen, ja sie zeichnen sich sogar unter dem feinen Linnen des Kleides deutlich ab; aber sie sind nie betont oder üppig hervorgehoben, wie etwa bei indischen oder vorderasiatischenSkulpturen.“ (zitiert P. H. Schulze). Aber als vollkommen schön galten nur Gottheiten und Pharaos, mit ihren göttlichen Ahnen. So wurden die Herrscher traditionell aufwendig gesalbt und geschmückt, um sich von der Masse abzuheben. Diese versuchte natürlich seit je her mit Hilfsmitteln diesem Ideal nah zu kommen. Also im Prinzip genau so wie heute.;-)
Ein wichtiger Bestandteil der Körperpflege war das Salben und Ölen. Seife gab es damals noch nicht, dafür wusch man sich mit sodahaltigem Wasser und cremte sich mit Öl ein. Die einfachen Bürger nahmen billigen Rizinusöl, die Reichen dagegen Rosenöl und andere teure Präparate. Auch die Haarentfernung gehörte dazu. Ein glatter, haarloser Körper wurde durch Zupfen und Ansengen versucht zu erreichen. Was die Kopfbedeckung angeht, pflegte man in der Öffentlichkeit Perrücken zu tragen, bei dessen Qualität man auch den jeweiligen Gesellschaftsstand erkennen konnte. Denn die Herstellung von Perrücken aus künstlichen Haarteilen war ohnehin aufwenidg und teuer. Komplizierte Flechttechnik und Verwebtechniken mit Schmuck und Tonperlen gehörten dazu, die großes Geschick erforderten. Das eigene Haar wurde mit Ölen und fetthaltigen Substanzen vor dem Austrocknen geschützt. Auf Festen trugen die Frauen sogar sogenannte Salbkegel. Diese harzigen Kegel waren parfümiert und schmolzen mit der Zeit, worauf hin sie einen wohlriechenden Duft, wie z.B. Myrrhe verbreiteten. Ganz schön tricky!


Kleopatra erhielt offenbar nicht nur eine Bildung in Sprachen, Politik und Philosophie, sondern auch im Schminken. Die alten Ägypter sind da wahrlich mein Lieblingsvolk! Sogar Männer schminkten sich zu dieser Zeit. Die Augen umrandete man mit grünem Malachit oder grauem Bleiglanz. Die Farbe schluckte das Sonnenlicht und ließ den Träger bei Sonneneinstrahlung besser sehen – eure nächste Ausrede, wenn jemand euch vorwirft, ihr würdet euch zu viel schminken! Der Grund für die schmuckvolle Verzierung des Kajalstrichs war wohl ein religiöser, da das Auge ein Symbol für den Sonnengott Ra war. Noch eine Ausrede. Tja, die Ägypter hatten einfach einen ausgeprägten Sinn für Ästhethik!
Daneben benutze man auch Henna für Fuß- und Fingernägel oder den Haaren und roten Ocker für Lippen und Wangen. Sogar für Haarausfall hatte man ein Haushaltsmittel parat: das Fett von Tieren.
Wer mehr über den Schönheitskult im Alten Ägypten lesen will, dem kann ich nur die Seite Mein Altägypten empfehlen.

Und zuletzt noch dieser Fund aus Beautybombshells. Das sind meiner Meinung nach die schönsten aktuellen Stücke, um sich einen sommerlichen Kleopatra-Look nachzustylen. Natürlich gehört viel Gold dazu, denn es galt als die Farbe der Sonne und der ägyptischen Götter. Als heiliges Metall sollte sie nicht nur zieren, sondern seinen Träger auch mit magischer Kraft erfüllen. Merkt ihr selbst, wenn ihr euer 333er-Goldkettchen trägt, nicht?
Die Ägypter kannten außerdem eine weise Styling-Regel: Schlichte Kleider aufgepeppt mit tollem Schmuck. Denn die herkömmlichen Materialien waren einfache Leinen und die mehr als einige Drappierungen hatte das einfache Volk nicht drauf. Später erlernete man immerhin besondere Falt- und Knittertechniken, die bei den überwiegend weißen Kleidern für Abwechslung sorgten.
Als besonderer Klassiker galt die Tunika, die sich über 1500 Jahre bwährt hatte, vom Alten bis zum Neuen Reich. Und weil das Modell auch heute noch überall zu finden ist, sollte man doch aufhören, das Kleine Schwarze so zu loben und der Tunika mal etwas Beachtung schenken!
Ansonsten liefen die Ägypter aber bis zur Jugendzeit unbekleidet rum. Später waren Schuhe immernoch eine Seltenheit. Dafür aber diese zwei interessanten Fakten: 1. Wer Schuhe besaß, trug sie zwar mit sich, zog sie aber erst an, wenn er sein Ziel erreicht hatte. 2. Auf der Sohle der Ledersandalen des Pharao waren Bilder von Feinden und Gefangenen abgebildet, die er dann mit jedem Schritt symbolisch zertrat. Diese Idee gefällt mir verdammt gut!

Wie sich die ägyptische Modekultur auf die zeitgemäße auswirkt(e) und umgekehrt die zeitgemäße auf die dargestellte Ägyper-Mode in Filmen (siehe den Vergleich zwischen dem Haarschnitt Liz Taylors und dem Vidal-Sassoon-Schnitt der 1960er) könnt ihr mit vielen Bildern auf Thread for Thought sehen. Und wer nicht genug von CLEOPATRA kriegen kann, dem empfehle ich noch die Filmseite Make Me Queen, in der ihr viele Screenshots und Fotos von den Dreharbeiten findet. Gut zu wissen, dass es da draußen noch andere Freaks gibt.

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