REMEMBER NOW [2010]

Es ist ein kleiner Sommernachtstraum, den Alexandre [Pascal Greggory] da in St.Tropez erlebt. Als in die Jahre gekommener Künstler/Geschäftsmann/Reicher Knacker (was auch immer) findet er sich nachts in einem Club voll befremdlicher junger Leute wieder. Er ist attraktiv und anscheinend bekannt, so schmeißt sich das junge Luder Carmen [Elisa Sednaoui] sofort an ihn ran und nimmt ihn mit in ihre Welt, um es mal zauberhaft auszudrücken. Während er mit ihr spazieren geht, treffen sie wieder auf ihre Freunde, die sich für das 70’s Bash zurechtgemacht haben. Es sind all die Figuren seiner Jugend, die Alexandre melancholisch stimmen, seiner jungen Gefährtin allerdings nichts sagen. Der Gigolo merkt vielleicht, wie alt er inwischen geworden ist oder wie lang die Brücke ist, die ihn und die neue Generation trennt.






Abbey Lee Kershaw in einer Jane Birkin Aufmachung. Als eine ältere, französische Passantin sie um ein Autogramm bittet, entgegnet sie ihr: „Sorry […] but you are late.“

Natürlich ist auch Baptiste Giabiconi dabei. Und natürlich stellt er den Schönling Alain Delon dar. Der Film, an dessen Titel sich Alexandre nicht erinnern kann, ist vermutlich PLEIN SOLEIL [NUR DIE SONNE WAR ZEUGE] von 1960. Das Hemd sieht stark danach aus.

Aaah, Freja Beha Erichsen als Mick Jagger! Julia Stelzner sah es schon kommen. Welches Model Bianca Jagger verkörpert, kann ich nicht erkennen. Die Kostüme wurden aber wundervoll übersetzt! Luftig, sommerlich, St.Tropez (haha).

Magdalena Frackowiak als tanzende Brigitte Bardot! Das Kleid und die Bewegungen sind eindeutig aus ihrem Film ET DIEU… CRÉA LA FEMME [UND IMMER LOCKT DAS WEIB], der aber, wie Alexandre schon bemerkt, fast zwanzig Jahre vor den 70ern erschien, 1956 genau. Dafür aber entstand ihr Musikvideo HARLEY DAVIDSON schon etwas später. Aber so genau nimmt es die Rolle von Magdalena nicht, sie will bloß feiern und die 70er waren schließlich nicht ihre Zeit.



Eine Parallele zwischen dem Papagayo in St.Tropez und dem Studio 54 aus New York ist wohl zu weit hergeholt. Aber schließlich ist ersteres symbolhaft für die 1970er Jahre und im letzteren findet die aktuelle Party 70er-Party statt. Es ist auch eine Gegenüberstellung zweier Generationen und ihre Art zu feiern.

Keine Ahnung wer als Donna Jordan, Model. Sie spielte unter anderem in Andy Warhols Experimentalfilm L’AMOUR mit. Und wenn wir spaßeshalber annehmen, dass Alexandre Karl Lagerfelds Alter Ego darstellt (nur theoretisch natürlich), dann könnte auch diese kleine Verbindung das bestätigen, nämlich dass beide zum Kreis um Andy Warhol gehörten. Und als kleine Nebeninfo: Schaut Euch Karlchen mal hier an

Leigh Lezark scheint die tiefergründigerenn Figuren zu übernehmen: Hier als die französische Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette, die allerdings bei ihrem Tod 1954 schon 81 Jahre alt war. Skurril als, dass sie hier hinter den Gittern einen Auftritt hat. Da fehlt mir wohl grundlegendes Wissen.

Nachdem Alexandre und Carmen ihre Beziehung „vertiefen“, zieht er sich in seinem Hotelzimmer um. Der Anzug wird abgelegt und der Hengst schnappt sich seine Lederjacke, setzt sich eine Sonnenbrille auf (es ist schließlich schon Tag) und knöpft sein Hemd auf – na wenn das mal keine Verjüngerung ist!


Alexandre wundert sich, die alte Platte des Chansonniers Sacha Distel im Haus des jungen Mädchens zu finden. Aber es stellt sich als „mom’s house“ heraus, die Leidenschaft gilt ihr, seiner Generation…

Nach der durchzechten Nacht ist das Partyvolk erschöpft. Hier hört auch der Zauber der Nacht auf…

Und da ist er, der Kaiser! Mit deutscher Pünktlichkeit (wo das Videos schon voller Klischees steckt) erinnert er seine Verabredung an die Verspätung. Diese antwortet:

… „Yeees, but it’s St.Tropez!“ Ja, da nimmt man das Leben halt locker.:D

Lagerfeld hat sich also wieder in einem Kurzfilm versucht. Auch wenn ich als Nostalgikerin absolut hingerissen bin, kann ich gewisse Kritiken an dem Film verstehen. Mary Scherpe sagen Story und Dialoge absolut nicht zu und zum oberflächlichen Inhalt kommen auch noch die talentlosen Schauspieler hinzu, die ja allesamt eigentlich Models sind (außer Pascal Greggory der den Alexandre spielt). Auch bemerkt sie, dass in diesem Modefilm, der ja für Chanels Cruise-Kollektion 2011 angefertigt worden ist, der Mode von Chanel fremd gegangen wird. Und laut sind auch die Kommentare der Zuschauer vor den Bildschirmen, die sich über sein dargestelltes Bild aufregen: Eine utopische Welt lauter schöner, dünner und reicher Menschen (siehe Kommentare bei Les Mads oder auf YouTube).
Aaaaber:
„We’re always happy life’s for livin yeah that’s our philosophy“
So lautet ein Vers im Lied „In the summertime“ von Mungo Jerry, das Alexandre im Auto hört. Ein Oldie, der seine Begleitung genervt die Augen verdrehen lässt, ihn aber an seine Jugend erinnert. In St.Tropez, dessen Mythos laut Film niemals stirbt, scheint die Zeit nicht nur stehengeblieben, auch nicht zurückgedreht, sondern völlig vermischt worden zu sein. Die feiernden Leute sind gegenwärtig jung und schön, plötzlich tauchen legendäre Figuren vergangener Zeit auf, die nicht nur aus den 70ern stammen, sonden auch aus den 60ern, 50ern und 40ern (und so weiter). Und auch Alexandre selbst fühlt sich zurückversetzt in seine Jugend.
Und erinnern wir uns an den Titel des Films – remember now -, wird klar, dass sich in dieser Nacht Realität und Erinnerung vermischen. Weil „früher alles besser war“, wird nur das Positive gesehen, das Schöne. Und auch weil das ganze Erlebnis traumhaft dargestellt wird (die plötzliche Wandlung der jungen Freunde in andere Persönlichkeiten oder das Potpurri aus den vielen Jahrzehnten oder die skurrile Selbstverständlichkeit einiger Situationen), da ist die steife Darstellung der Charaktere nur berechtigt. Nur eben die des einzigen Schauspielers im Film nicht, um ihn dreht sich das ganze ja schließlich, alle anderen sind wie traumhafte Erscheinungen. Ja und warum sie alle reich sind? Ja, das ist St.Tropeeeez!Natürlich alles Blödsinn. Karl Lagerfeld weiß sicher sehr wohl was er tut. Warum er als Regisseur dieses Kurzfilms gewisse Entscheidungen traf, kann ich nicht sagen. Vielleicht hatte er einfach Bock dazu. Vielleicht haben seine Filme ja wirklich eine tiefere Bedeutung. Veilleicht ist er auch einfach besessen von Ästhetik, das hier ja über Handlung hinaus geht. Was auch immer.
Der Film hatte am 11.Mai Premiere in St.Tropez, am nächsten Tag wurde die Kollektion präsentiert, der die 70er-Jahre-Thematik in Farben und Materialien aufgreift. Die Bilder gibt es hier.
Und weil age you voyeuristic macht, hier der Film:

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