THE LADY FROM SHANGHAI [1947/1948]

„Zu schade, dass wir den Film, den sich Orson vorstellte, nie sehen werden.“, sagt Peter Bogdanovich, Freund und Kollege von Orson Welles, im Audiokommentar zu THE LADY FROM SHANGHAI. Wie in fast allem Welles-Filmen behielt das Studio das letzte Wort bei der Produktion und kürzte und verstümmelte seine Filme ohne Einwilligung.
Was ihn im diesem Film aber offenbar mehr wurmte, war die kitschige Orchestermusik, die Heinz Roemheld komponierte und durch seine miesen Einsätze dem Film seine Einzigartigkeit nahm und ihn mit vielen billigen Detektivfilmen gleichsetzte.
Mit seinen legendären Szenen und Lichtverhältnissen ist THE LADY FROM SHANGHAI dennoch ein großartiges Werk und unkonventioneller als so manch anderer Film Noir. Welles konzentrierte sich vor allem auf die Ästhethik des Films, weshalb die Story (nach dem Roman IF I DIE BEFORE I WAKE von Sherwood King) auch teilweise nicht nachvollziebar ist und man am Ende zwar von den Verknüpfungen der Charakteren erfährt, sie jedoch nicht ganz versteht. Wie typisch beim Film Noir geht es kurzgesagt um einen desillustionierten Mann, der sich in eine wunderschöne Femme Fatale verliebt, deren Intrigen sich aber erst zum Schluss aufdecken. Es gibt ein paar heiße Prügelszenen, Rita Hayworth räkelt sich mit neuer blonder Mähne in tollen Kostümen und die Bösewichte sind Gesichtsschabracken, einer von ihnen sogar verkrüppelt (der Rechtsanwalt Bannister läuft auf Krüken, weil man befürchtete, der Darsteller Everett Sloane, der eigentlich Radioschauspieler war, könne sich nicht authentisch genug für einen Anwalt bewegen).



Das „Ein-Mann-Orchester“ Orson Welles kümmert sich mal wieder um alles.

Rita Hayworths neuer Look kam nicht so gut an…

Ich liebe es, wenn Darsteller scheinbar aus dem Nichts auftauchen und so geschmeidig im Bild dazukommen.

„Was ist ein Kraftprotz? […] Ein Mensch mit besonderer Stärke.
Warum singt der auf der Platte besser als wir? Was macht ihn so
laut? Die Erfindung des Mikrofons. Das ist seine Stärke.
Ein Schlagring, ein Messer oder ein Revoler kann seine Stärke sein.
Ja, irgendeine kleine Besonderheit, ein paar goldene Knöpfe,
ein paar Streifen am Ärmel, ein Stein in der Hand…
oder ein Bündel Banknoten. Das alles ist Stärke, Bruder.
Und ohne sie ist keiner ein Kraftprotz.“



Venus Gillette.

Am Anfang des Films ist O’Hara (Orson Welles) Grisby und den Geschehnissen noch überlegen. Später weiß er aber gar nicht mehr, wo der Hase läuft! Daher eine interessante Gegenüberstellung dieser Perspektiven.

Rita darf zwischendurch auch wieder singen oder besser gesagt Anita Ellis, die in fast allen Filmen der Hyworth die Gesangseinlagen übernahm.



Obwohl Welles darauf bestand, an Originalschauplätzen zu drehen (was in den 1940er Jahren noch recht selten gemacht wurde), wurde hier wohl getrickst.

ALEMAN! Graffiti hat eine lange Tradition…


Tolles Schattenspiel: Man sieht den Gesprächspartner nicht, nur sein schwarzes Abbild an der Wand.

Eine der witzigsten Szenen im Film – Mister Bannisters Kreuzverhör gegen sich selbst:

„Frage: Mister Bannister, hat sich der Beklagte je geäußert, warum er die Arbeit annahm?
Antwort: Ja, Herr Verteidiger. Er erinnerte Mister Bannister, dass Mister Bannister zu einer Schiffsagentur ging und dort seine ganze Überredungskunst anwandte, um ihn zu bewegen, die Arbeit anzunehmen.
Frage: Könnten Sie Dinge anführen, Mister Bannister, die den Fortgang der Untersuchung beeinflussen?
Antwort: Nun, ich fand den jungen Mann beherzt, ehrlich, rücksichtsvoll, ernst und arbeitswillig.
Verteidiger: Aber, aber, Mister Bannister, antworten Sie auf die Frage nur ja oder nein! Können Sie sonst noch etwas angeben, vielleicht eine umwälzende Tatsache?
Antwort: Nein!
Verteidiger: Vielen Dank, Mister Bannister, Sie können den Zeugenstand verlassen.

Gelächter.

An den Kulissen zum Funhouse soll Orson Welles selbst nächtelang gearbeitet haben. Sie lehnten sich an das expressionistische Set von DAS CABINETT DES DR.CALIGARI an. Leider wurden fast alle Aufnahmen davon geschnitten.




Das Spiegelkabinett.

Schizo-Elsa.






Absolut genial!




Stills © The Lady From Shanghai




via tfs, Verdoux & Film Noir Photos

Als nächstes folgt: Der Look von DIE LADY VON SHANGHAI!

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